Was wusste Günther Jauch wirklich?
Buchkritik: «Der Fake-Faktor»: Die Fälschungsserie bei stern TV und die Rolle von Günther Jauch (exklusiv)
13.07.2006 10:21 Uhr
Der jetzt erschienene Medienkrimi "Der Fake-Faktor - Spurensuche im größten Betrugsfall des deutschen Fernsehens" aus dem Münchner Kopaed Verlag stellt die Affäre um gefälschte TV-Reportagen zum "größten Skandal in der deutschen TV-Geschichte" dar ...
Der jetzt erschienene Medienkrimi "Der Fake-Faktor - Spurensuche im größten Betrugsfall des deutschen Fernsehens" aus dem Münchner Kopaed Verlag stellt die Affäre um gefälschte TV-Reportagen zum "größten Skandal in der deutschen TV-Geschichte" dar. Der Hintergrund: Im Januar des Jahres 1996 entlarvt die Staatsanwaltschaft Koblenz Michael Born als mutmaßlichen Betrüger.
23 mehr oder weniger intelligent manipulierte TV-Beiträge soll der freie Journalist in erster Linie an deutsche Politmagazine verkauft haben. Darunter ZAK, Spiegel TV und die von den Fälschungen ("Fakes") hauptsächlich betroffene Jauch-Redaktion von stern TV.
Nach den Ermittlern stellen Medien Fragen nach dem Berufsalltag bei stern TV. Hätten die Fakes nicht erkannt werden müssen? Wurde aus Quotengier das journalistische Ethos über Bord geworfen? In der Folge liefert sich Ex-Chefredakteur Günther Jauch mit anderen Medien hitzige Gefechte in der Öffentlichkeit. Bis zu Borns Verurteilung zu vier Jahren Haft erschüttert der Skandal die Glaubwürdigkeit des Journalismus, um danach in Vergessenheit zu geraten.
"Es ist medienhistorisch wichtig, dass das Kapitel erstmals zusammenfassend dargestellt wurde, "sagt Klaus Bednarz, Ex-Chef des WDR-Magazins Monitor und damals größter Kritiker von stern TV. Wer war wirklich verantwortlich dafür, dass der TV-Journalismus "am Nullpunkt ankam und warum verschweigen Redaktion und Jauch den Skandal bis heute?" "Wie schon in der damaligen Affäre gehen die Verantwortlichen konkreten Antworten aus dem Weg", sagt Autor Thomas Pritzl und ergänzt in einem Interview: "Ich will einmalige Vorgänge in der deutschen Mediengeschichte rekonstruieren. Es geht um nichts mehr und nichts weniger als den größten Betrug am Zuschauer im deutschen Fernsehen, dessen Hintergründe bis heute nebulös sind."
Pritzl gibt sich alle Mühe, das äußerst spannende Medienthema auf über 130 Seiten abzuhandeln. Leider merkt man dem Buch aber auch an, dass es neben den zweifellos sehr gut recherchierten dokumentarisch-chronologischen bekannten Fakten kaum neue Erkenntnisse anbietet. Wie auch, wenn die Hauptakteure zehn Jahre danach immer noch keine Lust haben, etwas dazu zu sagen? So bleiben die interessanten Kernfragen wie z.B. "Was wusste Günther Jauch wirklich?" leider unbeantwortet.
Und noch ein kleiner "Systemfehler" stört an einigen Stellen des sonst flüssig und unterhaltsam geschriebenen Buches: Pritzl war seinerzeit wohl für die redaktionelle PR von stern TV verantwortlich. Auf diese wichtige Tatsache geht er im Buch überhaupt nicht ein, weist aber immer wieder darauf hin, was für ein PR-Desaster das ganze von Seiten der Medienunternehmen war. Er schreibt dazu unter anderem: "Als ganz offensichtliches Defizit erweist sich das Fehlen einer Kommunikationsstrategie im Umgang mit der Affäre gegenüber Medien und Öffentlichkeit - dies wird Konsequenzen haben".
Immer wenn Pritzl vom Journalisten zum PR-Berater wird, leidet das Buch. Schade eigentlich, denn sonst wäre es richtig rund.
Der Fake-Faktor
Spurensuche im größten Betrugsfall
des deutschen Fernsehens
Eine TV-Sittengeschichte
Ein Medienkrimi von Thomas Pritzl
136 Seiten, 19 Abbildungen, 9.80 Euro.
Sprache: Deutsch
Kopaed Verlag
medienhandbuch.de
Oliver Hein-Behrens
chefredaktion@medienhandbuch.de
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