Für Anfang 2008 sind ca. 30 Mitarbeiter eingeplant
Heimwerker-TV: Über die Breitbandanschlüsse können wir bis Ende des Jahres ca. 22 Millionen Haushalte erreichen - Interview mit Jörg Wulf (exklusiv)
27.09.2007 10:13 Uhr
Der Do-it-yourself-Markt boomt. Jetzt reagiert erstmals ein Medienunternehmen auf diesen Trend und wird mit doit-tv einen Bau- und Bastelsender starten. medienhandbuch.de sprach mit Jörg Wulf, Geschäftsführer Don Medien Filmproduktions GmbH: ...
Der Do-it-yourself-Markt boomt. Jetzt reagiert erstmals ein Medienunternehmen auf diesen Trend und wird mit doit-tv einen Bau- und Bastelsender starten. medienhandbuch.de sprach mit Jörg Wulf, Geschäftsführer Don Medien Filmproduktions GmbH:
medienhandbuch.de:
Anfang Oktober startet die Don Medien GmbH mit doit-tv den ersten deutschen TV-Sender rund ums Bauen und Basteln. Wie kam es zu der Idee? Gibt es ein internationales Vorbild?
Jörg Wulf:
Wir produzieren seit Jahren ein TV-Magazin, Ratgeberbeiträge und Schulungsfilme für Bauherren, Handwerker, Selbermacher und Gartenfreunde. Aus der Resonanz auf die Sendungen und unser Internetportal wissen wir, das nicht nur Ideen oder das Vorher-Nacher gefragt sind, sondern das die Zuschauer gerade das "dazwischen" interessiert: Sie wollen wissen, wie es funktioniert, sie wollen eine Arbeitsanleitung sehen, einen Workshop mit Schritt-für-Schritt Erläuterung.
Aber auch bei den fachlichen Themen z. B. zum energieeffizienten Bauen und zu Energiesparmöglichkeiten im Altbau gibt es einen großen Informationsbedarf. Viele neue Bestimmungen werden in den Medien kurz erläutert und dann muss jeder selbst sehen, was zu seiner Wohnung, seinem Haus passt. Wir wollen hier einen Schritt weitergehen und z.B. die verschiedenen Möglichkeiten für effektive Energieeinsparungen an immer neuen Beispielobjekten zeigen und von Fachleuten, Bauherren und Planern erläutern lassen.
Mit HGTV, DIY-Network und CASA TV gibt es drei große Sender und Portale, die so etwas schon lange in Amerika machen. Wir beobachten diese Sender natürlich seit Jahren und sehen dort, das Umbau- und Renovierungsprojekte, Designtipps, Workshops usw. spannende Infotainment Formate mit wirklichem Mehrwert für die Zuschauer sein können.
medienhandbuch.de:
Sie starten erst online und wollen 2008 dann auch digital über Kabel und Satellit senden. Wo liegt den medienmäßg der Schwerpunkt? Wo erwarten Sie mehr Zuschauer?
Jörg Wulf:
Der Schwerpunkt liegt für uns zurzeit klar im Internet. Über die Breitbandanschlüsse können wir bis Ende des Jahres ca. 22 Millionen Haushalte erreichen - da kommt keiner der anderen digitalen Vertriebswege mit. Die IPTV-Anschlüsse entwickeln sich in Deutschland nur sehr zögerlich im sechsstelligen Bereich - das ist für Partner und Kunden noch nicht interessant. Ähnlich sieht es mit den digitalen Kabelanschlüssen aus, trotz der steigenden Anschlusszahlen sind auch hier die Reichweiten für unsere Partner und Kunden noch nicht wirklich interessant. Eine ausreichende digitale Marktdurchdringung bietet derzeit einzig die Satellitenausstrahlung, insgesamt aber stehen die Kosten für diese digitalen Verbreitungswege noch in keinem Verhältnis zu der möglichen Reichweite.
medienhandbuch.de:
Wer sind die Gesellschafter von doit-tv und von welchem Investitionsvolumen sprechen wir?
Jörg Wulf:
Alleinige Gesellschafterin ist die Don Medien GmbH. Durch den schrittweise geplanten Ausbau unserer Distributionswege ist das Investitionsvolumen vergleichsweise gering und wird bei ca. 4,5 Millionen Euro liegen.
medienhandbuch.de:
Welche Umsatzerwartungen haben Sie für 2007/2008 und aus welchen Quellen sollen diese kommen?
Jörg Wulf:
Die Umsatzprognosen für 2007/2008 sind bewusst gering gehalten. Der Fokus in 2007 liegt im Aufbau von strategischen Partnerschaften und Barter-Geschäften, um die Verbreitung der Marke doit-tv zu fördern. Ab Mitte 2008 rechnen wir mit den ersten wirklichen Umsätzen. Die Umsatzerlöse aus Werbeeinnahmen werden nur ca. 35% betragen. Die Hauptumsätze von doit tv werden zu Anfang die Produktion und Vermarktung von Content sein.
medienhandbuch.de:
Haben Sie schon mit den großen Baumärkten gesprochen? Wie werden diese die neue Werbeplattform aufnehmen?
Jörg Wulf:
Wir stehen selbstverständlich mit Baumärkten in Kontakt und gehen davon aus, dass sie doit tv als Werbeplattform nutzen und in ihre Kampagnen einbeziehen werden. In dem derzeitigen Verdrängungswettbewerb setzen die Baumärkte noch stark auf reine Imagewerbung und Preiskampagnen. Einzelne Baumarktketten wie Toom fangen aber schon an, mit Ihren Kampagnen mehr und mehr Inhalte und Service nach vorn zu stellen - und besonders für solche Strategien hat doit-tv Vorteile, die die großen Sender nicht bieten können: Sendezeit und eine interessierte, hochwertige Zielgruppe.
Unser Fokus liegt aber ganz klar auf der Industrie. Hier gibt es einen sehr großen Markt an mittelständischen Firmen und auch einige große Hersteller von Bauprodukten, die bisher nur wenig in TV-Werbung investiert haben. Diese Firmen haben aber die Bewegtbilder schon als sehr sinnvollen Weg zum Kunden erkannt, das zeigen viele Infomercials und POS-Filme, mit denen die immer erklärungsbedürftigeren Produkte den Verbrauchern nahe gebracht werden sollen.
Doit-tv setzt genau hier an und wird der Bau- und DIY-Wirtschaft ein Medium anbieten, in dem komplexe Zusammenhänge nachvollziehbar und unterhaltend erläutert werden können.
medienhandbuch.de:
Werden Sie Eigenwerbung betreiben und wenn ja, wann startet diese und wie soll sie aussehen?
Jörg Wulf:
Bei der Eigenwerbung setzen wir zunächst einmal auf die angesprochenen Barter-Geschäfte, mit denen wir unseren Kunden den Weg in das für Sie meist noch neue Medium Internet und WebTV erleichtern wollen. Bei der Eigenwerbung mit Industriekunden zusammenzuarbeiten hat für uns auch den Vorteil, dass wir damit ganz nah an unsere Zielgruppen herankommen. Ein Beispiel ist die Kooperation mit dem Data-Becker Verlag, der Filme aus dem Programm von doit-tv in seine Software-Publikationen wie den "Traumhausdesigner" integriert hat.
Darüber hinaus führen wir zurzeit Gespräche mit einer ganzen Reihe von Printtiteln und den dazugehörigen Verlagshäusern. Aber auch die Kommunikationskraft der spitzen und gerade darum sehr lebendigen Zielgruppen ist nicht zu unterschätzen und wird von uns mit vielfältigen Community-Aktionen unterstützt werden.
medienhandbuch.de:
Wie groß ist das Produktionsteam und das Gesamtteam von doit-tv?
Jörg Wulf:
Wir werden doit-tv mit 7 Redakteuren und einer Reihe von freien Mitarbeitern starten. Zu unserem Produktionsteam zählen einschließlich der Internetentwicklung derzeit 18 Mitarbeiter. In der zweiten Ausbaustufe Anfang 2008 sind ca. 30 Mitarbeiter eingeplant.
medienhandbuch.de:
Welche Formen von Werbung werden möglich sein? Haben Sie auch ein Preisbeispiel?
Jörg Wulf:
Grundsätzlich wollen wir auf doit-tv die von anderen Sendern bekannten Werbe- und Präsentationsmöglichkeiten anbieten. Wir gehen davon aus, das doit-tv im Rahmen von laufenden Fensehkampagnen auch für die Ausstrahlung von klassischen Werbspots interessant sein wird. Den größeren Anteil an Werbeeinnahmen erwarten wir aber aus Infomercialbuchungen, SpecialAdds, Zuschaueraktionen, Cross-Promotionaktionen und der Contentvermarktung. Die Preise werden bewusst so gestaltet sein, dass auch Klein- und Mittelständische Unternehmen auf doit-tv Fernsehwerbung machen können. Gerade kleinere Unternehmen mit sehr interessanten Innovationen haben bisher keine die Möglichkeiten sich auf den etablierten Sendern zu präsentieren.
medienhandbuch.de:
Sie wollen fünf Bereiche anbieten: Bauen und Sanieren, Garten und Balkon, Wohnen und Einrichten, Renovieren und Umbauen und Hobby und Freizeit. Hört sich umfangreich, aber etwas trocken an. Sind keine thematisch passenden Unterhaltungsformate wie z.B. bei D-MAX geplant?
Jörg Wulf:
Wir wollen die Zuschauer über Personen, Wissen und Leidenschaft an unserer Formate binden. Bei doit-tv werden Informationen, Workshops, praktische Tipps und hautnahe Portraits von begeisterten Fachleuten und erfahrenen Praktikern präsentiert. Mit den Überschriften über unsere Thementage wollen wir den Zuschauern Orientierung bieten: das Oberthema Bauen und Sanieren spricht mit komplexen Baureportagen und Hausportraits eher Bauherren, Architekten, Planer und Handwerker, also Profis an. Das Thema Wohnen und Einrichten hat dagegen mit unserem Wohnmagazin Cabana, praktischen Dekorationstipps und Einrichtungsvorschlägen, Designportraits und dem E-Home eher eine jüngere, meist weibliche Zielgruppe.
Im Gegensatz zu D-Max sind wir gerade nicht auf eine in erster Linie an Unterhaltung orientierte männliche Zielgruppe fixiert. Echte Unterhaltungs- und Showformate sind auf doit-tv darum erst in der dritten Ausbaustufe für das Abend- und Wochenendprogramm geplant.
medienhandbuch.de:
Beispielhaft gefragt: Ich will eine Wickelkommode zusammenbasteln. Warum sollte ich ab Oktober doit-tv anklicken? Was bringt es mir Neues, was ich nicht bereits über Suchmaschinen finde?
Jörg Wulf:
Ganz einfach: Was bekommen sie bisher, wenn sie im Internet nach "Wickelkommode bauen" suchen? Im Normalfall einen Text mit einigen Herstellerbildern, im besten Fall eine kostenlose Bauanleitung mit pdf-download. Auf doit-tv bewegen sich die Bilder, der Bauplan wird auf seine Praktikabilität getestet und sie bekommen dazu Erläuterungen von lebenden Menschen direkt zu den einzelnen Arbeitsschritten.
So wird es jedenfalls in den Workshop-Formaten sein, daneben haben wir natürlich auch Magazine mit Einspielern oder z.B. Wohnportraits, die anders als Printtitel oder Internetseiten sich nicht mit den Hochglanzfotos der Hersteller zufrieden geben, sondern mit der Kamera in das wirkliche Leben eintauchen werden. Das ist doit-tv, ein Sender für Macher die sehen sollen, planen können und dann Ihre Projekte machen werden.
Das Interview mit Jörg Wulf führte Oliver Hein-Behrens.
medienhandbuch.de
Oliver Hein-Behrens
chefredaktion@medienhandbuch.de
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