medienhandbuch.de | Ich träume von der Wiedergeburt des rasenden Reporters - Interview mit Markus Brauckmann (exklusiv)



Fernsehreporter der Zukunft

Ich träume von der Wiedergeburt des rasenden Reporters - Interview mit Markus Brauckmann (exklusiv)

01.02.2007 10:15 Uhr

Der Fernsehreporter der Zukunft berichtet live per Handy. Die BILD-Zeitung schickt ihre Leser schon länger als Paparazzi auf die Straße, nun dürfen bei der Kölner AZ Media auch die Bewegtfilmer ran. Wir sprachen mit Reporter Markus Brauckmann über die Zukunft des TV-Reporters ...

Der Fernsehreporter der Zukunft berichtet live per Handy. Die BILD-Zeitung schickt ihre Leser schon länger als Paparazzi auf die Straße, nun dürfen bei der Kölner AZ Media auch die Bewegtfilmer ran. Wir sprachen mit Reporter Markus Brauckmann über die Zukunft des TV-Reporters ...


"Ich träume von der Wiedergeburt des rasenden Reporters."


medienhandbuch.de:
Herr Brauckmann, der Fernsehreporter der Zukunft berichtet live per Handy. So das Motto Ihres neuen Konzepts des Handy-TV-Reporters. Wie ist das erste Feedback? Welche Erfahrungen haben Sie bislang gemacht?

Markus Brauckmann:
Wir haben es bislang zweimal ausprobiert: Einmal vom Kölner Hauptbahnhof, am Tag nach "Kyrill". Ein anderes Mal vom Public Viewing der Handball-WM in Köln. Beide Male zunächst mit einem professionellen Reporter. Die Berichterstattung war dadurch spürbar bereichert. Und wir wissen von vielen Kollegen der Zunft, dass sie unsere Versuche aufmerksam verfolgen.

medienhandbuch.de:
Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Markus Brauckmann:
Schon seit längerer Zeit träume ich von der Wiedergeburt des rasenden Reporters, der von der Technik befreit wirken kann. Mit diesem Wunsch bin ich zu unserer technischen Abteilung um Thomas Müller gegangen, die in bewährter Qualität eine tragfähige Pionier-Lösung ausgetüftelt haben.

medienhandbuch.de:
Und wie genau funktioniert's?

Markus Brauckmann:
Das verraten wir nicht - Betriebsgeheimnis!

medienhandbuch.de:
Aber was muss ich denn als Zuschauer machen, um auf dem Bildschirm zu erscheinen?

Markus Brauckmann:
Momentan befinden wir uns noch in der Anfangsphase, d.h. in Version 1.0: Mit professionellen Reportern, die bereits Live-Erfahrung haben. Bevor Phase zwei eingeläutet wird, müssen wir noch einige Kinderkrankheiten beheben. Dann können auch die Zuschauerreporter mit einem UMTS-fähigen Video-Handy ran.


medienhandbuch.de:
Wann gibt's denn den ersten "echten" Zuschauerreporter zusehen?

Markus Brauckmann:
Ich denke, die Sommerferien sind ein guter Zeitpunkt. Aber wir bieten unseren Zuschauern ja auch jetzt schon Mitmachmöglichkeiten: Unsere rund 90 Veedelsreporter sind täglich mit Kameras unterwegs - zu sehen in der Sendung "Heimat, Video, TV". Ein Format ausschließlich für Zuschauerreporter, von denen wir jeden einzelnen mit Namen und Handschlag kennen. Die Zuschauer filmen, erzählen wie und wo sie die Bilder gefunden und gedreht haben und zeigen sie bei uns.


"Wenn irgendwer Bilder von Braunbär Bruno liefert, dann können die natürlich auch aus dem letzten Norwegen-Urlaub sein."


medienhandbuch.de:
Wenn es allerdings um Live-Bilder geht, gehört natürlich auch immer ein großes Vertrauen dazu ...

Markus Brauckmann:
Auf jeden Fall! Das ist ja auch das Problem großer Nachrichtenstationen: Wenn irgendwer Bilder von Braunbär Bruno liefert, dann können die natürlich auch aus dem letzten Norwegen-Urlaub sein. Unser Vorteil ist, dass wir unsere Zuschauerreporter kennen! Und wenn die in Phase zwei Live-Bilder per Handy liefern, kann das unsere Berichterstattung nur verbessern.


medienhandbuch.de:
Also doch keine Chance für den "normalen" Zuschauer?

Markus Brauckmann:
Doch! Wir werden sehen, wie sich das Angebot entwickelt. Wenn im Herbst Kyrill noch einmal zurück kommen sollte, dann können wir vielleicht auch Bilder eines Zuschauers senden, der am geschlossenen Bahnhof in Trostdorf steht und auf der Suche nach einem Schlafplatz ist. So bringen wir Nachrichten von den Menschen aus der Heimat für die Menschen in der Heimat!


medienhandbuch.de:
Das Konzept erinnert ein bisschen an die Leserreporter der BILD-Zeitung. Die stehen allerdings durchaus in der Kritik: Auf der einen Seite kommt es zu einer gewissen Entprofessionalisierung des Journalismus, auf der anderen Seite wird die Berichterstattung (noch weiter) boulevardisiert. Wie stehen Sie zu der Kritik?

Markus Brauckmann:
Ich lese die Bild-Zeitung täglich und finde ihren Leserreporter-Ansatz sehr interessant. Aber: Unser Motto bei center.tv ist "Good News". Bei uns gibt es keine Polizei- und keine Klatschreporter. Insofern fangen wir jetzt mit der neuen Technologie auch nicht damit an! Bei center.tv hat eine bestimmte Form der Skandalisierung keinen Platz.

medienhandbuch.de:
Was macht die direkte Einbindung der Leser in die Berichterstattung aus? Und warum ist es ein Konzept der Zukunft?

Markus Brauckmann:
Durch die Einbindung des Zuschauers ist eine Vielfalt in der Berichterstattung möglich, die sonst schwierig zu realisieren wäre. Wir bekommen einfach mehr lokale Geschichten und Aufnahmen, aus denen wir auswählen können. Und wenn in der Zukunft jedes Handy mit einer Filmfunktion ausgestattet ist, haben wir viele Live-Reporter, mit denen wir unser Programm noch interessanter und aktueller gestalten können. Wenn jedes Handy die Kernfunktion eines Ü-Wagens übernehmen kann, dann ist dies mit Fug und Recht eine Revolution der Live-Berichterstattung. Ich prophezeie, dass aus dem Leserreporter von heute der TV- und Internet-Hobbyreporter von morgen wird. Zehn Ü-Wagen können wir uns nicht mal eben so leiten.


"Der professionelle Journalisten punktet durch eine qualifizierte Beurteilung von Geschichten und die entsprechende Bearbeitung und Präsentation."


medienhandbuch.de:
In Konkurrenz zum professionellen Reporter? Inwieweit ist eine Ablösung möglich?

Markus Brauckmann:
Ich sehe die Hobby-Reporter nicht in Konkurrenz zu Profis, sondern als sinnvolle Ergänzung ... Wenn man sich dem Thema mit Respekt und Engagement nähert!


medienhandbuch.de:
Welche Stärken bleiben dem professionellen Berichterstatter, wenn die Technik auch für Laien immer besser wird?

Markus Brauckmann:
Zu den Stärken der professionellen Journalisten zähle ich vor allen Dingen die qualifizierte Beurteilung von Geschichten und die entsprechende Bearbeitung und Präsentation des Materials. Der Hobby-Reporter bestimmt schließlich nicht die Platzierung und die Länge der Beiträge und legt ja nicht den Sendeablauf fest.

medienhandbuch.de:
Bei welchen Ereignissen und Berichten können Sie besonders von den Zuschauerreportern profitieren?

Markus Brauckmann:
Es gibt hauptsächlich zwei Möglichkeiten, die ich derzeit sehe: Entweder ein zusätzlicher Blick auf ein Ereignis, so wie Kyrill. Da hätten wir auch an drei oder dreißig Orten sein können, wenn wir gewollt hätten. Oder aber ein Zuschauerreporter berichtet per Handy von einem Ereignis - beispielsweise von einem Karnevalszug im Vorort - für das wir keine Reporter gehabt hätten. Und natürlich sind unzählig neue Formate möglich wie etwa "Kölner melden sich live aus dem Sommerurlaub".

medienhandbuch.de:
Wie sehen für Sie die Nachrichten der Zukunft aus?

Markus Brauckmann:
Nachrichten werden nicht mehr zu einem bestimmten Zeitpunkt präsentiert, sondern andauernd. Und sie werden weniger traditionell aussehen im Sinne der klassischen Nachrichten von heute. Dafür werden sie mehr davon geprägt sein, was Menschen denken und was sie in ihrem Lebensumfeld berührt. Anders ausgedrückt: Weniger Termin-Journalismus von der Stange, mehr Heimat!


Mit Markus Brauckmann sprach Tobias Winkler.

Links zum Thema

http://www.azmedia.de/

Kontakt / Quelle

medienhandbuch.de
Tobias Winkler
t.winkler@medienhandbuch.de

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