Wir haben bereits acht Jahre Markterfahrung ...
«In wenigen Jahren werden Sie in Deutschland 3000 Sender sehen» - Interview mit Ingo Wolf, Grid-TV (exklusiv)
28.09.2006 09:16 Uhr
Es tut sich gewaltig ´was im Online-TV-Bereich: Die Deutsche Telekom ist sauer auf Grid-TV, die kurz nach Abpfiff bereits gesamte Bundesliga-Spiele zeigt und an dem Projekt Liga-TV arbeitet. medienhandbuch.de sprach exklusiv mit Ingo Wolf, Inhaber von Grid-TV: ...
Es tut sich gewaltig ´was im Online-TV-Bereich: Die Deutsche Telekom ist sauer auf Grid-TV, die kurz nach Abpfiff bereits gesamte Bundesliga-Spiele zeigt und an dem Projekt Liga-TV arbeitet. medienhandbuch.de sprach exklusiv mit Ingo Wolf, Inhaber von Grid-TV:
medienhandbuch.de:
Herr Wolf, können Sie unseren Lesern den Unterschied zwischen Web-TV, PC-TV und IP-TV erklären. Gibt es da überhaupt klare Grenzen?
Ingo Wolf:
IPTV ist Fernsehen, das über den weltweiten Standard des Internet-Protokolls (IP) ausgestrahlt wird und über alle IP-basierten Kanäle empfangen werden kann. Web-TV wird oft als Synonym für IPTV gebraucht, aber es reduziert das IP-basierte Fernsehen auf die Übertragung im Internet. Die von Grid-TV entwickelte IPTV-Technologie ermöglicht ein globales Fernsehen über alle digitalen Kommunikationswege: Internet, Satellit, Terrestrisch, Kabel, UMTS und GPRS, ohne die Notwendigkeit von Zusatzgeräten oder Decodern. PC-TV beschreibt eigentlich nur ein mögliches Gerät, an dem der Zuschauer das TV-Programm anschauen kann. Alle Devices mit IP-Decodern können dieses Fernsehen empfangen und das werden bald auch herkömmliche Fernseher sein.
Abgesehen vom Übertragungsweg, durch den IPTV gekennzeichnet ist, kann man zwischen verschiedenen Möglichkeiten der Bewegtbildpräsentation unterschieden: das reine Video-on-Demand, Live-Streaming und laufende Programme. Das programmbasierte Fernsehen ist sicher die vielversprechendste Form von IPTV, weil es das gelernte Lean-back-Verhalten der Zuschauer am besten widerspiegelt.
medienhandbuch.de:
Wer oder was ist Grid-TV?
Ingo Wolf:
Die Kernkompetenz von Grid-TV liegt im internationalen Aufbau von IPTV-Sendenetzen und in der Entwicklung tragfähiger Betriebsmodelle mit guten Refinanzierungsmöglichkeiten. Als Patentinhaber für die Abwicklung laufender Programme über IP-basierte Medien vergibt das Unternehmen internationale Sendelizenzen, ermöglicht die Nutzung von internationalen Sendenetzen und vertreibt Sendeplanungs-Software sowie Bewegtbild- und Sendelizenzen. Im manchen Fällen kaufen unsere Kunden auch ganze Sender inklusive sämtlicher enthaltenen Programme.
medienhandbuch.de:
Warum ärgert sich aktuell die Deutsche Telekom über Sie bzw. über Grid-TV?
Ingo Wolf:
Die Telekom hat sehr viel Geld für die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga im Internet bezahlt. Dies garantiert jedoch nur die Live-Übertragung. Denn nach Spielende darf jeder Bundesligaverein seine eigenen Spiele in voller Länge auf der Vereins-Homepage zeigen. Dabei würden wir die Vereine natürlich gerne unterstützen und ihnen unsere Technologie zur Verfügung stellen. Mit dem HSV klappt das ja schon wunderbar, und die Fans konnten am vergangenen Wochenende bereits wenige Sekunden nach Spielende das komplette Spiel auf deren Homepage anschauen, und nicht erst anderthalb Stunden später, wie die Telekom mutmaßte.
Wir sind derzeit im Gespräch mit fast allen Bundesligavereinen und erwarten bereits in Kürze weitere Vertragsabschlüsse. Die Vereine möchten dabei jedoch nicht nur die Spiele zeigen, sondern auch mit vielen zusätzlichen Hintergrundinformationen an den Fan herantreten. Wir haben bereits acht Jahre Markterfahrung auf dem IPTV-Markt, der für die Telekom noch so gut wie völlig neu ist. Wir würden auch gerne mit der Telekom zusammenarbeiten und sie von unseren Erfahrungen profitieren lassen, allerdings ist dies schwierig, da die Telekom sich auf ihr Netz begrenzt und unsere Programmanbieter auch in anderen Netzen oder eben am besten in allen Netzen präsent sein wollen.
medienhandbuch.de:
Wann soll ihr Angebot "Liga-TV" starten? Welche Inhalte wird es haben?
Ingo Wolf:
Liga-TV wird voraussichtlich Ende November starten, zunächst auf dem deutschen Markt, später werden wir das Portal auch international ausbauen. Wir sind bereits im Gespräch mit sehr großen internationalen Ligen, die Interesse gezeigt haben. Mit Liga-TV bieten wir jeder Liga die Möglichkeit, einen eigenen Fernsehsender zu haben. Somit können auch die Spiele von kleineren Ligen von einem größeren Publikum gesehen werden, als dies bisher möglich ist. Das ist vor allem auch für die Sponsoren ein interessanter Aspekt. Die einzelnen Sender sind dabei zum einen auf dem Portal Liga-TV zu sehen, können aber auch in die Homepage der Ligen, Vereine und Sponsoren eingebaut werden, wodurch das Programm eine noch größere Verbreitung findet. Mithilfe der Bewegungsanalyse-Software MotionTouch unseres Partners Simi können die Ligen die Spiele aufzeichnen und auch analysieren. Außerdem können die Ligen eine individuelle Programmgestaltung vornehmen, sodass die Spieler, Vereine, Eltern und Fans für jede Liga und Sportart einen unabhängigen 24/7-TV-Kanal erhalten, der nicht nur die Spiele, sondern auch Hintergrund-Berichterstattung liefern kann.
medienhandbuch.de:
Können Sie etwas über das Investment und Umsatzpotenzial von Grid-TV im Fußballumfeld und allgemein sagen?
Ingo Wolf:
Wir hoffen, dass es sich auch um einen Millionenmarkt handeln wird. Das gönnen wir vor allem den Vereinen, die das Geld der Sponsoren und Werbetreibenden schließlich zum Leben brauchen. Allerdings ist es sicher so, dass es andere Märkte mit wesentlich mehr Potenzial für IPTV gibt. Sender aus den Bereichen Wissenschaft, Medizin und anderen Entertainmentformen werden auch ihre Berechtigung haben.
medienhandbuch.de:
In welchen sonstigen IP-TV-Bereichen außer Fußball sind Sie aktiv bzw. wollen Sie in Zukunft aktiv werden?
Ingo Wolf:
Es sind im Augenblick 40 Branchen, in denen wir arbeiten. Es gibt Sender zum Thema Recht und zum Thema Eisenbahn. Wir arbeiten von Musikschul- bis Tanzschul-TV. Finanzsender und Versicherungssender werden in Zukunft auch dazu kommen. Allerdings liegt im Augenblick immer noch ein starker Fokus auf Game und Entertainment sowie Kino und News.
medienhandbuch.de:
IP-TV und Web-TV gehören zweifellos zu den aktuellen Hypebereichen. Dabei gab es schon vor dem Jahre 2000 entsprechende Angebote - zumindest im Web. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für das aktuelle Revival?
Ingo Wolf:
Unsere Lösungen standen damals schon und wir waren der Anbieter. Allerdings haben wir uns schon immer von Livestreaming losgesagt, da dies zu teuer ist. Manchmal braucht ein Markt Erfahrung. Und die haben wir in den letzten Jahren gesammelt. Das Feld ist nicht einfach und jetzt sind endlich die Leitungen und die Inhalte da. Mit anderen Worten: In wenigen Jahren werden Sie in Deutschland 3000 Sender sehen.
medienhandbuch.de:
Welche Vermarktungsstrategien - Pay-IP-TV einmal beiseite gelassen sichern denn feste Umsatzpotenziale für Web- und IP-TV-Angebote?
Ingo Wolf:
Es geht in der Regel um Inhalte und Syndikation von Sendern. In wenigen Monaten starten wir eine Einschaltplattform für IPTV. Dann können die Agenturen Fernsehwerbung direkt buchen.
medienhandbuch.de:
Man hört, Anbieter wie Maxdome oder Alice Home TV suchen das Killerformat im IP-TV-Bereich. Haben Sie einen Tipp? Arbeitet Grid-TV an eigenen Formaten?
Ingo Wolf:
Ich habe die Killerformate bereits und warte gespannt ab, was die OnDemand-Anbieter probieren. Die beiden genannten Plattformen möchten wir gerne als Partner oder Kunden gewinnen, da wir davon ausgehen, dass die Marktführer zusammen arbeiten sollten, um gemeinsam noch stärker zu sein. Es genügt ganz sicher nicht, mit User-generated Content zu arbeiten oder TV-Stationen zu streamen, die man bereits auf dem Fernseher hat.
Das Interview mit Ingo Wolf führte Oliver Hein-Behrens.
http://www.grid-tv.com
Online-TV-Fußball: Grid-TV ärgert Telekom
medienhandbuch.de
Oliver Hein-Behrens
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