medienhandbuch.de | Interview: Das Tabakwerbeverbot zieht einen Verlust von 160 Millionen Euro für Pressemedien nach sich (exklusiv)



575 Million Euro Verlust bei Alkoholwerbeverbot

Interview: Das Tabakwerbeverbot zieht einen Verlust von 160 Millionen Euro für Pressemedien nach sich (exklusiv)

14.12.2006 11:32 Uhr

Der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband der Druck- und Medienindustrie sieht die Entwicklung der EU-Werbeverbote in Bezug auf Tabak und die Diskussion um Alkoholwerbung mit großer Sorge. medienhandbuch.de sprach hierzu mit Yvonne Frenz: ...

Der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband der Druck- und Medienindustrie sieht die Entwicklung der EU-Werbeverbote in Bezug auf Tabak und die Diskussion um Alkoholwerbung mit großer Sorge. medienhandbuch.de sprach hierzu mit Yvonne Frenz:, Öffentlichkeitsarbeit bvdm:

medienhandbuch.de:
Wer oder was steht hinter dem Bundesverband Druck und Medien (bvdm)?

Yvonne Frenz:
Der bvdm ist der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband der Druck- und Medienindustrie. Unter unserem Dach bestehen 11 selbstständige Druck- und Medienverbände mit rund 4.500 Mitgliedsunternehmen. Wir bieten sozial- und wirtschaftspolitische Interessenvertretung sowie ein breit gefächertes und individuelles Dienstleistungsangebot, das sich über Rechtsberatung, Betriebswirtschaft, Technik und das wichtige Feld der Aus- und Weiterbildung erstreckt.

medienhandbuch.de:
Sie sehen die Entwicklung der EU-Werbeverbote in Bezug auf Tabak und die Diskussion um Alkoholwerbung laut Pressemeldung mit großer Sorge. Die Druckindustrie ist von diesen Einschnitten betroffen: Allein zwei Drittel des Druckumsatzes hängen von der Werbung ab. Von welcher absoluten Zahl reden wir hier und wie hat sich dieser Bereich in den letzten 10 Jahren entwickelt?

Yvonne Frenz:
Wir sprechen über ein Umsatzvolumen von 17,5 Milliarden Euro im Jahr 2005 das von rund 11.500 Betreben erwirtschaftet wurde. In den Jahren 2000 bis 2003 hat die Druckindustrie aufgrund der wegbrechenden Werbeumsätze massive Einbußen hinnehmen müssen, sowohl beim Umsatz als auch bei der Zahl der Betriebe und Beschäftigten. Seit 2 Jahren geht es nur langsam wieder bergauf, aber wir haben das Niveau des Jahres 2000 noch lange nicht erreicht.

medienhandbuch.de:
Wie hoch ist der absolute oder prozentuale Anteil der Tabakwerbung und der Alkoholwerbung an der Gesamtwerbung?

Yvonne Frenz:
Als Mitglied im Zentralverband der Werbewirtschaft (ZAW) stütze ich mich auf die dort veröffentlichten Zahlen. Demnach zieht das Tabakwerbeverbot einen Verlust von 160 Millionen Euro für Pressemedien und Sponsoring nach sich. Ein Werbeverbot für alkoholhaltige Getränke würde allein bei den klassischen Werbemedien 575 Million Euro Einnahmeverlust betragen.

medienhandbuch.de:
Gibt es Strategien oder Pläne wie der Ausfall der Tabakwerbung kompensiert werden kann?


Yvonne Frenz:
Die Markenunternehmen aus diesen Bereichen werden stärker auf das Onlinemarketing und Eventmarketing zielen. Auch Handywerbung, Gewinnspiele und die vielfältigen Möglichkeiten des Direktmarketings, beispielsweise über das Internet, werden verstärkt ausgeschöpft.

medienhandbuch.de:
Haben sie eigentlich eine Vertretung in Brüssel bzw. auf EU-Ebene? Trügt der Eindruck, dass deutsche Verbände und Politiker häufig erst aktiv werden, wenn die EU-Würfel gefallen sind.

Yvonne Frenz:
Nein, wir werden schon im Vorfeld tätig, denn wir sind Mitglied bei Intergraf, der europäischen Dachorganisation der Druck-und Medienindustrie und im ZAW, der europäisch über die Advertising Information Group (AIG) vertreten wird. Wenn wir zusätzlich auf nationaler Ebene mit der Bundesregierung in Berlin sprechen, dann deshalb, weil sich die Entwicklung ohne deutsches Veto nicht aufhalten lässt.

medienhandbuch.de:
Welches sind weitere wichtige Themen des bvdm auf europäischer und nationaler Ebene?

Yvonne Frenz:
Wichtige Themen sind für uns die sozialpolitischen und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die leider viel zu stark von den "Eurokraten" beeinflusst werden, wie das neue Bürokratiemonster "Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz", kurz AGG genannt, zeigt. Auch im Bereich Umweltschutz, der Technologieentwicklung, der Standardisierung und ISO-Normierung sind wir als Verband national und international aktiv.

medienhandbuch.de:
2006 geht zu Ende, 2007 steht vor der Tür: Ihr Resumee und Ihr Ausblick aus Branchensicht?


Yvonne Frenz:
Nach einer langen und schwierigen Konsolidierungsphase stehen die Druck- und Medienunternehmen 2006 wieder etwas besser da. Leider profitieren wir nicht wie andere Wirtschaftszweige vom steigenden Export, da unsere Betriebe sowohl im Außenhandel als auch auf den Binnenmärkten unter einem enormen Kostendruck stehen. Für 2007 befürchten wir, dass sich das Wachstum der Druckindustrie weiter deutlich unter dem Industriedurchschnitt entwickeln wird.


Das Interview mit Yvonne Frenz führte Oliver Hein-Behrens.

Links zum Thema

http://www.bvdm-online.de

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Oliver Hein-Behrens
chefredaktion@medienhandbuch.de

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