Internetleser sind ungeduldig und schnell
Interview: Nachrichten scheinen sich immer mehr zu einem Top-Content zu mausern (exklusiv)
23.03.2009 09:59 Uhr
Meedia spricht von einem "Überraschungscoup aus Holland": Seit letzter Woche gibt es im deutschen Web einen neuen Nachrichten-Player Dnews.de. Hinter dem Portal steht der niederländische Marktführer Nu.nl. medienhandbuch.de sprach mit der Chefredakteurin Antje Winter.
medienhandbuch.de:
Das Nachrichtenportal Dnews.de ist seit kurzem online. Wer steht hinter Dnews, wer sind die Eigentümer?
Antje Winter:
Dnews folgt dem Konzept der populären niederländischen Nachrichtenseite NU.nl: Nachrichten auf einen Blick. NU.nl ist mit 4,1 ‚ unique visitors’ pro Monat seit vielen Jahren die meist besuchte Nachrichtenseite der Niederlande. Dnews.de und NU.nl werden herausgegeben von ilse media, dem größten Internetverlag der Niederlande, der ca. 80 Prozent aller niederländischen Internetnutzer ab 13 Jahren bedient. Ilse Media ist Teil des Sanoma Verlags.
medienhandbuch.de:
Was sind die konzeptionellen Besonderheiten?
Antje Winter:
Dnews richtet sich an die Leser, die sich einen schnellen Überblick über die aktuelle Nachrichtenlage verschaffen möchten. Im Nachrichtenteil gibt es bei uns keine Hintergründe und Analysen sondern kurze Nachrichten, die in einem schlanken Layout pro Thema übersichtlich untereinander präsentiert werden. Diese Präsentation und Herangehensweise ist neu und unterscheidet uns von allen anderen herkömmlichen deutschen Nachrichtenseiten.
Zusätzlich zu den Nachrichtenmeldungen kommentieren Autoren in wöchentlichen Kolumnen Themen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Sport, Entertainment, Internet und Umwelt. Die beliebte Medienkolumne „Altpapier“, die bis Ende des letzten Jahres auf Netzeitung.de erschien, findet bei Dnews ihre Fortsetzung. Außerdem informiert Dnews.de seine Leser mit aktuellen Buch-, Film- und Musikrezensionen
medienhandbuch.de:
Welche Ziele hat Dnews?
Antje Winter:
Es geht uns in dieser ersten Phase zunächst einmal darum, das Profil von Dnews zu testen. Wie reagieren die Leser und – am aller Wichtigsten - kommen sie zurück?
medienhandbuch.de:
Noch sind keine Werbebanner zu sehen. Wie refinanziert sich Dnews?
Antje Winter:
Im Moment gibt es nur auf einigen Unterseiten von Dnews Werbung. Dies wird bald aber noch ausgebaut werden. Es ist sicherlich unsere Absicht, sich in der Zukunft über Werbung finanzieren zu können. NU.nl schreibt in den Niederlanden schon viele Jahre schwarze Zahlen.
medienhandbuch.de:
Wie groß ist das Team für Deutschland?
Antje Winter:
Die Redaktion von Dnews umfasst sieben Journalisten, die sich um den Nachrichtenbereich kümmern. Zusätzlich dazu gibt es 15 freie Journalisten die Kolumnen und Rezensionen schreiben.
Nachrichten scheinen sich immer mehr zu einem Top-Content zu mausern. Ich glaube, das passt zu unserer ‚ 24-Stunden-Gesellschaft’ . Es wird rund um die Uhr produziert, Menschen wollen und müssen rund um die Uhr erreichbar sein und sind flexibler in ihrer Zeiteinteilung. Damit wächst auch das Bedürfnis, sich rund um die Uhr über das Tagesgeschehen informieren zu können. Außerdem hat sich die Nachrichtenlieferung derartig verschnellert und sind die Zusammenhänge komplizierter geworden, so dass man schnell das Gefühl hat, hinterher zu hinken und nicht alles überblicken zu können, wenn man die Nachrichten nicht verfolgt.
Mit Dnews.de reagieren wir auf das Bedürfnis der Leser, sich innerhalb kürzester Zeit über das Wesentliche im globalen Nachrichtenstrom informieren zu können – egal ob es sich dabei um Neuigkeiten aus Politik, Wirtschaft oder Entertainment handelt. Die kompakte Aufmachung der Seite ermöglicht diese rasche Orientierung.
medienhandbuch.de:
Welche Besonderheiten müssen Online-News im Vergleich zu Print oder TV bieten?
Antje Winter:
Internetleser sind ungeduldig und schnell. Wenn sie das Angebot nicht schnell überblicken oder es nicht interessant finden, sind sie sofort wieder weg. Für Print nimmt man sich generell mehr Zeit. Deswegen muss die Präsentation des Angebots im Internet viel kompakter, übersichtlicher und zielgerichteter sein. Die Nachricht muss scannbar sein und gut zu lesen. Die visuelle Präsentation, das Zusammenspiel von Text und Bild, ist im Internet sehr wichtig. Durch die Möglichkeit der Verlinkung ergibt sich eine andere Dynamik. Und durch das Web 2.0. gibt es im Gegensatz zu Print und TV noch einmal ganz neue Möglichkeiten, den Leser mit einzubeziehen.
medienhandbuch.de:
Welche News werden bei Ihnen besonders häufig geklickt?
Antje Winter:
Dazu kann ich ihnen noch keine repräsentative Antwort geben, da wir gerade erst vier Tage online sind.
medienhandbuch.de:
Streben Sie eine IVW-Prüfung in Deutschland an?
Antje Winter:
Ja, auf die Dauer sicherlich.
medienhandbuch.de:
Welche Rolle spielt der Mobilbereich für Sie? Welchen prozentualen Leseranteil streben sie hier an?
Antje Winter:
Der Mobilbereich ist ein sehr wichtiger Bereich für uns. Ich bin davon überzeugt, dass diese Nutzung einen immer größeren Raum einnehmen wird. Menschen wollen sich überall informieren können, egal ob sie bei der Arbeit oder zu Hause am Computer sitzen oder gerade unterwegs sind. Das kompakte Profil von Dnews eignet sich hervorragend für mobile Anwendungen, die wir in Zukunft auch noch ausbauen werden. Die mobile Seite von Dnews.de ist bereits unter Mobil.dnews.de verfügbar.
Das Interview mit Antje Winter führte Oliver Hein-Behrens.
Medienhandbuch.de
chefredaktion@medienhandbuch.de
Oliver Hein-Behrens
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