medienhandbuch.de | iPad-Hype: Wirklich neu ist die Verpackung, nicht der Inhalt (exklusiv)



Quelle: Guido Jurisch

Völlig neue und zusätzliche Erlösquellen für Verlage?

iPad-Hype: Wirklich neu ist die Verpackung, nicht der Inhalt (exklusiv)

04.02.2010 11:40 Uhr

Was wird mit dem iPad konzeptionell möglich sein, was nicht? Für wen und welche Themen werden sich iPad-Publikationen lohnen? medienhandbuch.de fragte Guido Jurisch, Fachmann für onlinebasierte Redaktionssysteme zur Erstellung von e-Magazinen und Websites für das iPhone sowie Tablet-PCs:

medienhandbuch.de:
Nach iPod und iPhone kommt jetzt der iPad. Stimmt es im Kern, dass es sich hier um einen überdimensionierten iPod handelt?

Guido Jurisch:
Auf den ersten Blick schon. Jedoch glaube ich, dass die "Revolution" dahinter viel Größer ist. Niemand möchte doch ernsthaft in die Tiefen eines Betriebssystems einsteigen oder wissen müssen, wie dieses konfiguriert werden kann oder muss. Ich glaube, dass das iPad oder auch das iPhone heute schon zeigen wie die Computer und Bedienkonzepte der Zukunft aussehen. Auch der App-Store mit den vielen kleinen, günstigen, und dennoch leistungsfähige Programme, die immer und überall geladen und installiert werden können, stellt ebenfalls eine tief greifende Veränderung im Umgang mit Computern und Software da. Ein echtes Downsizing ohne Leistungs- oder Qualitätsverlust. Weiterhin ist nun vielen innovativen Ideen und guten Entwicklern endlich ein unkomplizierter Zugang zum Softwaremarkt möglicht.

medienhandbuch.de:
Was meinen Sie: Wann wird der iPad in Deutschland spätestens erhältlich sein?

Guido Jurisch:
Schwer zu sagen. Ich gehe vom 2 Quartal 2010 aus.

medienhandbuch.de:
Der iPad sei zum Surfen, zum Spielen, zum Filme anschauen und zum Lesen hervorragend geeignet, so sinngemäß Steve Jobs bei der Vorstellung. Welche Rolle wird das Lesen dabei spielen, also E-Publikationen auf dem iPad?

apple.com, iPadGuido Jurisch:
Eine sehr große. Das schon heute stark veränderte Mediennutzungsverhalten zu Gunsten von Web und Computern wird durch das iPad und Windowstablets weiter vorangetrieben. Das tolle daran: durch den App-Store wird den Verlagen nun endlich ein funktionierendes Geschäftsmodel offeriert das auch beim Nutzer/ Leser heute schon etabliert ist. Die kostenpflichtige Bild-App mit über 100.000 Downloads oder die Zahl von insgesamt 3 Milliarden runter geladenen Apps bestätigt diese Aussage.

medienhandbuch.de:
Ist die eigentliche Revolution hier nicht das große Farbdisplay, das es so bei E-Readern bisher nicht gab?

Guido Jurisch:
Das große Display sowie die intuitive Nutzung des iPads sind wichtige Faktoren, um das Gerät für eine breite Masse an Konsumenten interessant und "cool" zu machen. Aber das iPad ist eben nicht nur ein eReader sondern ein echter Computer, was Publishern weiterführende Optionen bietet Contents zu verwerten oder Zusatzgeschäft zu generieren. Die Verbindung zum Kunden muss eben NICHT nach einmaligem Verkauf einer Publikation abgeschlossen sein. Die Möglichkeiten der Kundenbindung und der Verlängerung des Kontakts sind messbar gegeben. Dieser direkte Kontakt mit Rückkanal bietet für Verlage völlig neue und zusätzliche Erlösquellen. Besonders in diesem Bereich stehen wir unseren Kunden beratend und konzeptionell zur Seite.

medienhandbuch.de:
Was wird mit dem iPad im publizistischen Bereich konzeptionell möglich sein, was nicht?

Guido Jurisch:
Alles was heute im Web oder auf dem PC "state of the art" ist auch auf dem iPad möglich. Inhalte können dynamisch, also animiert, bewegt, abwechslungsreich, interaktiv, multimedial und somit viel interessanter aufbereitet werden. Wer seinen Leser positiv überrascht und Emotionen weckt erhöht die Qualität und Länge des Kontakts, verbessert das Image seines Produkts und somit die Häufigkeit der Nutzung oder des Kaufs. Wirklich NEU ist die Verpackung, die Umsetzung und die Distribution, nicht der Inhalt. Ein "altes" Produkt oder Medium erfährt eine Verjüngungskur, ein Redesign oder Facelift. Diese Strategie bietet enormes Potential vorhandene Kompetenzen und Contents über einen neuen Kanal wie dem iPad zu verwerten. Man muss akzeptieren, dass der Leser heute vom passiven Konsumenten zum aktiven Nutzer geworden ist. Die Gestensteuerung des iPad treibt diese Entwicklung weiter voran. Besonders bei der jüngeren Zielgruppe. Aus meiner Sicht führen nur dynamische und interaktive Premium-ePublikationen, angereichert mit sinnvollen Zusatzangeboten, dazu, dass Leser für elektronische Inhalte bezahlen. Das iPad ist dafür das optimale Medium.

medienhandbuch.de:
Für wen bzw. welche Themen werden sich iPad-Publikationen besonders lohnen, für welche weniger?

iBooks, apple.comGuido Jurisch:
Ich sehe da wenig Einschränkungen. Von der Tageszeitung bis hin zum Special Interest. Jeder Bereich kann von app-basierten Publikationen oder eMags auf dem iPad, dem   iPhone oder ähnlichen Devices nur gewinnen. Apple hat mit eindrucksvollen Verkaufszahlen deutlich gezeigt, wie hungrig der Konsument nach mobilen Endgeräten und die dafür passenden Inhalten und Anwendungen ist. Das unmögliche ist heute möglich. Ganze Industrien wurden und werden in kürzester Zeit durch diese Technologien "umgekrempelt". Aus diesem Grund stellt sich für mich nicht die Frage welche Publikation aus welchem Themenbereich aufs iPad passen sonder wer am schnellsten ein Thema auf dem iPad besetzt. Wie man gerade in den letzten Monaten wieder lernen musste verdrängen heut zu Tage nicht mehr die "Großen" die "Kleinen" oder die Brands die No-Brands, sondern die Schnellen verdrängen die Langsamen!.....

medienhandbuch.de:
Sind zukünftige E-Publikationen durch den iPad dann überhaupt noch eine verlagsspezifische Sache oder haben wir bald das Stadium erreicht, wo jeder mit der richtigen Software und dem richtigen Content zum Herausgeber werden kann?

Guido Jurisch:
Die etablierten Verlage haben natürlich einen großen Vorteil durch die vorhandenen Archive, die vorhandenen Kompetenzen, die hohe journalistische Qualität, die Erfahrung und die etablierten Marken. Die Aufgabe muss es jetzt sein, diese "PS" auf die Straße zu bringen oder besser gesagt, diese Assets in die neuen Medien zu portieren. Aber wie eben schon beschrieben bietet das iPad, wie schon das iPhone, auch neuen, noch völlig unbekannten oder schon bekannten Wettbewerben die Möglichkeit bestimmt Themenfelder einfach und mit überschaubaren Kosten zu besetzten.

medienhandbuch.de:
Gibt es jetzt schon geeignete iPad-Publikationssoftware? Was muss sie können?

Guido Jurisch:
Derzeit ist mir nur die iToolSuite bekannt. Das liegt daran, dass die meisten unserer Wettbewerber auf Lösungen gesetzt haben die eine ePublikation auf Basis des Webstandards Flash erzeugen. Das iPad oder das iPhone unterstützen kein Flash. Hinzu kommt, dass diese Softwarelösungen eben nur ein Wandlung und Anreicherung vorhandener Contents ermöglichen und ein fertiges zum Teil unveränderbares eMag generiert. Die iToolSuite ist anders konzipiert. Hier sprechen wir von einem webserverbasiertem Redaktionssystem, welches eine Website, eine mobile Website(iPhone und CO), ein eMagazine oder eben eine App mit Inhalten in Echtzeit beliefern kann. Das heißt: eine App ist immer nur so gut, wie das Webserver-System dahinter, welches die App steuert und inhaltlich befüllt. Eine App ohne Backend in Form eines Redaktionssystem macht für Publisher keinen Sinn. Es ist die Kombination aus beiden Elementen.Ist die App einmal erstellt kann jeder Publisher, unabhängig von uns oder anderen Dienstleistern, die redaktionellen Inhalte der App über die iToolSuite steuern. Selbstverständlich ist auch die Einbindung von app-spezifischen Werbeformen möglich.

medienhandbuch.de:
Wann kommt die Schnittstelle zum iPad bei der iToolSuite?

Guido Jurisch:
Die Schnittstelle ist bereits vorhanden. Man muss lediglich eine App individuell nach Kundenwunsch entwickeln und an die iToolSuite anbinden. So etwas dauert bei uns ca.  3 Wochen. Die Konzeptionen für eine App erstellen wir in Zusammenarbeit mit unsere Kunden. Einmal produziert, kann eine App auch für andere Titel eines Verlages eingesetzt und über die iToolSuite gesteuert werden. Synergien zu nutzen und Mehrfachverwertung zu ermöglichen, bei einfachster Bedienbarkeit, waren die wichtigsten Ziele bei der Entwicklung der iToolSuite.

medienhandbuch.de:
Wann gibt es ihrer Meinung nach die erste Otto-iPad-Katalogversion?

Guido Jurisch:
Otto ist im Bereich e-commerce schon immer ein Vorreiter und meines Wissens nach sehr erfolgreich. Es würde mich nicht wundern, wenn noch im Verlauf diesen Jahres ein solcher Katalog von Otto angeboten würde.

Das Interview mit Guido Jurisch führte Oliver Hein-Behrens.

Links zum Thema

http://www.cf-communications.de/itoolsuite.html
http://www.e-production42.de/

Kontakt / Quelle

medienhandbuch.de
chefredaktion@medienhandbuch.de
Oliver Hein-Behrens

Themenverwandte Artikel

Forschungslogik und -design in der Kommunikationswissenschaft

Tipp aus unserem Shop

Forschungslogik und -design in der Kommunikationswissenschaft

In der Kommunikationswissenschaft haben sich vielfältige Methoden und Designs der Sozialwissenschaften etabliert, nicht immer jedoch ist ihre spezifische Anwendbarkeit geklärt. Der Band zeig......[ansehen]

Hein-Behrens ohb CasualFriday Otterbach Schnittstelle iToolSuite Guido Jurisch Apple iPad



Generierungszeit: 0