Prominente Polit-Berater
Krisen-PR: Wal-Mart startet «War Room» gegen Anti-Stimmung
16.11.2005 15:25 Uhr
Dem US-Discounter Wal-Mart stehen schwierige Zeiten bevor. Eine groß angelegte Protestkampagne und ein Dokumentar-Protestfilm à la Michael Moore sollen den immer wieder für seine miesen Arbeitsbedingungen gerügten Einzelhandelsriesen in die Knie zwingen. Doch der Konzern schlägt zurück - mit PR-Tricks prominenter amerikanischer Wahlkämpfer.
Dem US-Discounter Wal-Mart stehen schwierige Zeiten bevor. Eine groß angelegte Protestkampagne und ein Dokumentar-Protestfilm à la Michael Moore sollen den immer wieder für seine miesen Arbeitsbedingungen gerügten Einzelhandelsriesen in die Knie zwingen. Doch der Konzern schlägt zurück - mit PR-Tricks amerikanischer Wahlkämpfer.
Den ganzen Sommer schon hatte sich die Anti-Stimmung hochgeschaukelt. Zehntausende Amerikaner folgten Boykottaufrufen. Demokratische Senatoren bezogen Stellung gegen Wal-Marts magere Sozialleistungen. Hinzu kamen Sammelklagen und weitere Prozesse - wegen Diskriminierung von Minderheiten und Frauen, Unterschlagung von Überstundenlohn, Beschäftigung illegaler Immigrantenarbeiter. Ende Oktober machte auch noch ein internes Wal-Mart-Memo die Runde: Darin beklagte das Management die hohen Krankenkosten und schlug zur Abhilfe vor, "ungesunden Menschen abzuraten, bei Wal-Mart zu arbeiten".
Nun ergreift Dokumentarfilmer Robert Greenwald aus Kalifornien, bekannt für seine cineastische Breitseite gegen Rupert Murdochs Kabelsender Fox News ("Outfoxed"), Inititative und will sich den weltgrößten Einzelhändler vorgeknöpfen. In einer 97-minütigen Kino-Anklage à la Michael Moore ("Wal-Mart: The High Cost of Low Price"), gerade in New York und Los Angeles angelaufen und seit vergangenem Freitag US-weit zu sehen, hält er dem Milliardenkonzern eine Sündenliste vor.
Greenwalds Filmattacke ist der vorläufige Höhepunkt des jüngsten, bisher machtvollsten PR-Feldzugs der Wal-Mart-Gegner. Ein Angriff an allen Multimedia-Fronten: Fernsehspots, ganzseitige Anzeigen in der auflagenstärksten US-Zeitung "USA Today", Internet-Werbung, eine Protesttournee durch 84 Großstädte. "Amerika wird schockiert sein", hofft Paul Blank, der Direktor von "Wake Up Wal-Mart", der federführenden Aktivistengruppe der Lebensmittelgewerkschaft UFCW.
Wal-Mart wehrt sich mit einem eigenen "War Room" zur Imagepflege. Wie die Wal-Mart-Gegner haben die Verantwortlichen ihrerseits im Hauptquartier in Arkansas prominente Polit-Berater versammelt. Die dort versammelten "Spin Doctors" haben den alleinigen Auftrag, schlagkräftige PR-Gegenoffensiven zu inszenieren. Das sogenannte "Rapid-Response-PR-Team" besteht aus Strippenziehern alter Wahlkämpfe - nunmehr in Diensten des Megakonsums: Ronald Reagans Ex-Berater Michael Deaver, Leslie Dach (vormals Bill Clinton), Terry Nelson (George W. Bush) und Jonathan Adashek (John Kerry). Selbst ihr Vokabular ist das gleiche: So reden sie von "swing voters" (für unentschiedene Kunden) und "true believers" (für unerschütterlichen Kunden).
Spiegel Online
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