medienhandbuch.de | Mehr Visionen habe ich grade nicht, weil es soviel Energie kostet, die nächste Ausgabe zu produzieren (exklusiv)



Zusammenhänge zwischen Politik und Kultur

Mehr Visionen habe ich grade nicht, weil es soviel Energie kostet, die nächste Ausgabe zu produzieren (exklusiv)

04.06.2009 10:19 Uhr

Oliver Koch war bis zum vergangenen Jahr noch Bassist der bekannten deutschen Indie-Pop-Band Tomte. Jetzt ist er Chefredakteur des neuen Magazins "Opak - wir müssen reden". Wieso, weshalb, warum? - jetzt hier:

medienhandbuch.de:
Woher kommt der Name Opak?

Oliver Koch:
Nach etlichen Namensfindungen hatte sich ein Mechanismus als relativ zuverlässig erwiesen: Man muss der Sache nur einen Namen geben, ihn häufig genug aussprechen, gucken, wie er sich anfühlt, und irgendwann, meist schon nach kurzer Zeit, hat er seine ursprüngliche Bedeutung abgeworfen.

Das Wort „opak“ las ich in einem Roman und dachte mir: ein so schönes Wort, das muss der Titel des Magazins werden! Ich ging damit hausieren, bevor ich überhaupt wusste, dass „opak“ eigentlich so etwas wie „lichtundurchlässig“ bedeutet. Tatsächlich kann in meinem Bekanntenkreis das Wort mittlerweile kaum mehr in seinem ursprünglichen Bedeutungszusammenhang benutzt werden.

medienhandbuch.de:
Können Sie das Grundkonzept von Opak in maximal drei Sätzen beschreiben?

Oliver Koch:
Uns geht es darum, die Zusammenhänge zwischen Politik und Kultur zu betrachten. Das Heft soll dezidiert Stellung beziehen, komplexe Sachverhalte allgemeinverständlich darstellen. Und außerdem soll es auf intelligente Weise unterhalten.

medienhandbuch.de:
Sie ganz persönlich: Von der Pop-Band zum Print-Magazin. Wie kam das?

Oliver Koch:
Durch einen Zufall. Das Wetter war gerade schlecht, und... Nein, natürlich gab es vor Beendigung meiner Musiker-Karriere bereits die Begeisterung für Magazine jedweder Art. Und meiner Ansicht nach müssen Musik und Print-Medien gar nicht soweit voneinander entfernt sein. Wie sollte sonst erklärt werden, dass in der DIY-Szene (die ja momentan eine merkwürdige Renaissance feiert) damals jedeR Zweite entweder eine Band oder ein eigenes kleines Heft gemacht hat?!  

Ich habe es immer sehr genossen, Musik zu machen. Etwas handwerkliches Geschick war zur Bedienung eines Instruments sicherlich von Vorteil – es hätte ansonsten auch grausig geklungen. Das wirklich spannende aber war die Möglichkeit, kreativ sein zu können und mit Ideen einfach mal ins Offene zu gehen. Man könnte auch sagen, das Künstlerisch-Verspielte. Ich sehe durchaus das Potential, diese Seite in der Produktion eines Magazins, wie ich es mir vorstelle, unterzubringen. Bislang wurde ich nicht enttäuscht. Wobei „bislang“ ja auch noch nicht so furchtbar lang ist.  

medienhandbuch.de:
Wer finanziert Opak wie? 

Oliver Koch:
Wollen sie nicht lieber wissen, welche Musik mir gerade am besten gefällt? Wie sich OPAK finanziert lässt sich momentan auch an meinem Kontostand ablesen. Und, vertrauen sie mir, den wollen sie wirklich nicht wissen.

medienhandbuch.de:
Alle Autoren schreiben ohne Honorar. Ausbeutung auf hohem Niveau oder Startfinanzierung?

Oliver Koch:
Sie haben das Layout, die IllustratorInnen, FotografInnen und überhaupt die ganze Redaktion vergessen – die (und damit auch wir) gehen nämlich bislang ebenfalls leer aus. Weil wir darauf bauen, dass alle so narzisstisch sind, dass ihnen Aufmerksamkeit als Bezahlung genügt? Keinesfalls. Zugegeben, es ist eine paradoxe Situation, dass ausgerechnet diejenigen, die sich über Prekarisierung echauffieren, an der Erzeugung dieser Umstände nicht unbeteiligt sind. Wir sprechen hier aber klar von Startschwierigkeiten. 2010 müssen für alle Beteiligten Honorare drin sein. Ich könnte auch Wasser für mein Müsli gebrauchen. Plus Grundeinkommen, versteht sich.

medienhandbuch.de:
Wer soll Opak lesen?

Oliver Koch:
Das ist jetzt die Frage nach der Zielgruppenorientierung, oder? Es mag insbesondere für die alten Hasen naiv klingen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass man ein gutes Heft nur machen kann, wenn man selbst Bestandteil der Zielgruppe ist. Insofern haben wir schon mindestens einen Leser. Und der ist 30 Jahre alt, besitzt einen Hochschulabschluss, den Wunsch nach Selbstverwirklichung und trinkt gern Filterkaffee.  

medienhandbuch.de:
Zweimonatige Erscheinungsweise: Not oder Programm?


Oliver Koch:
Es gibt da so ein kleines Fanzine aus Hamburg über das manchmal gesprochen wird, vielleicht kennen sie es ja, es heißt: Der Spiegel. Dem würden sie wahrscheinlich keine vergleichbare Frage stellen. Weil die Profis sind, Möglichkeiten haben und bei denen immer alles ganz gut klappt. Klar. Natürlich sieht es bei uns etwas anders aus, weshalb auch der Vergleich schräg ist. Aber mal im Ernst: jede Woche eine neue OPAK-Ausgabe? Das hält doch niemand aus! Am wenigsten natürlich diejenigen, die für uns schreiben. Wer weiß, vielleicht wird das nochmal anders. Bis dahin sage ich aber aus der Not heraus: Programm!  

medienhandbuch.de:
Anzeigen in Opak: Läuft die Vermarktung gut an?

Oliver Koch:
Natürlich läuft sie top an! Wenn allerdings noch jemand Interesse haben sollte, eine Anzeige zu schalten, dann finden wir ganz vielleicht noch einen klitzekleinen freien Platz in unserer kommenden Ausgabe. Möglicherweise ist da noch Luft (Kontaktdaten auf unserer Seite).

medienhandbuch.de:
Opak im Jahr 2012: Ihre Vision?

Oliver Koch:
Ich will so ein riesiges Werbeplakat, wie Vanity Fair es hatte. Über das komplette Gebäude der Berliner Charité. Mehr Visionen habe ich grade nicht, weil es soviel Energie kostet, die nächste Ausgabe zu produzieren.   

medienhandbuch.de:
Welches Thema wird es nie in Opak geben?

Oliver Koch:
 „Promis“. Und „Schmutz“. Ach ne, das ist ja das Thema der kommenden Ausgabe.

Das Interview mit Oliver Koch führte O. Hein-Behrens.

Links zum Thema

www.opak-magazin.de

Kontakt / Quelle

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chefredaktion@medienhandbuch.de

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