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Gut, dass wir darüber gesprochen haben ...

«Popetown»: Zu dumm, um beleidigend zu sein! (Exklusiv-Kommentar)

04.05.2006 11:18 Uhr

Endlich - kann man nur sagen! Egal, ob's gefällt oder nicht, aber es war so weit: Der Musiksender MTV startete gestern abend nach elendig langem Gezerre in Medien und vor Gericht den Testlauf für die kontrovers diskutierte Cartoon-Satire "Popetown" (zu deutsch: "Papststadt"). Vorher gab's eine zahme "Elefantenrunde" - dann war alles vorbei, zumindest das Interesse an der Vatikan-Serie.

Endlich - kann man nur sagen! Egal, ob's gefällt oder nicht, aber es war so weit: Der Musiksender MTV startete gestern abend nach elendig langem Gezerre in Medien und vor Gericht den Testlauf für die kontrovers diskutierte Cartoon-Satire "Popetown" (zu deutsch: "Papststadt"). Vorher gab's eine zahme "Elefantenrunde" - dann war alles vorbei, zumindest das Interesse an der Vatikan-Serie.

Eingeläutet wurde der "Heilige Abend" durch eine Diskussionsrunde um MTV-Moderator Markus Kavka, mit Joachim von Gottberg (Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen), Johannes Vogel (Junge Liberale), Dirk Tänzler (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) und Sänger Smudo (Die Fantastischen Vier). Wie es sich für eine echte christliche Veranstaltung gehört, wurde jeder nach seiner persönlichen Meinung gefragt, um die ohnehin im Anschluss angesetzte erste Folge der Vatikan-Satire gepflegt auszudiskutieren. Bibelkreis à la carte - natürlich, wie es sich für MTV gehört, per Du!

Ganz brav durfte jeder seine "Für- oder Widerbitte" aufsagen; der einzige, der aus der Reihe tanzte, war FAZ-Medienkritiker Michael Hanfeld. Fernab von der mühsamen Diskussion, lobte er die hervorragende PR-Strategie des Senders, die genau das erreichte, was für einen großen Serienstart nötig ist: großer Rummel in den Medien. Zumal von rechtlicher Seite in der Zwischenzeit längst alles entschieden war: MTV darf die umstrittene Comic-Serie "Popetown" ausstrahlen, so das Landgericht München kurz vor dem Sendetermin der ersten Episode. Damit lehnten die Richter einen Antrag auf einstweilige Verfügung des Erzbischöflichen Ordinariats München ab. Die Sendung sei "zu dumm, um beleidigend zu sein", befanden die Richter. Sie bedrohe damit nicht den öffentlichen Frieden.

Die Bestätigung folgte sogleich: In der ersten Folge bekam die "Papststadt" Besuch von querschnittsgelähmten Kindern, die zusammen mit dem Kirchenoberhaupt ihre heilige Messe feiern wollen. Aber der Papst ist einfach weg - nicht da, wo man ihn gerade braucht. Naheliegende Begründung: Er hat sich beim Versteckenspielen in den Katakomben von Popetown einfach zu gut versteckt und haut in der Hostien-Fabrik mit einem dicken Hammer Oblaten aus Brei. So mietet Pater Nicolas kurzerhand ein jüdisches Papstdouble an.

Darf man so etwas zeigen? Auch wenn der Augsburger Bischof Walter Mixa die Serie bereits mit den Mohammed-Karikaturen vergleicht und als "geistige Umweltverschmutzung" bezeichnet, regt sich die Kirche wohl eher auf, weil der hüpfende Cartoon-Papst ihr durchaus einen - wenn auch matten - Spiegel vorhält. Welche Sprengkraft Satire und Karikaturen haben, zeigten die Bilder aus dem Nahen Osten. Man hätte hoffen können, dass der Spiegel den Ansprüchen einer guten Satire genügt.

So bleibt eine Cartoon-Serie, die sich in der Personenwahl an dem Vatikanstaat orientiert, aber inhaltlich lediglich für das abendliche Berieseln vor dem Einschlafen dient. Immerhin 71 Prozent der MTV-Zuschauer votierten in der Telefonabstimmung für eine Fortsetzung. Darf man das wirklich?! "Es würde nicht auf dem Fernsehsender meiner Träume laufen", urteilte der ins Alter gekommende Rapper Smudo, der damit wohl langsam aber sicher aus der MTV-Generation heraus gewachsen ist.

"Sobald wir wissen, was wir tun, sagen wir’s Euch", beendete Moderator Markus Kafka treffendermaßen den Abend. Also, gut, dass wir darüber gesprochen haben ...


Ein Kommentar von Tobias Winkler.

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Tobias Winkler
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