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Neue RTL-Dokuserie "Nachbarschaftsstreit – Kolb greift ein"

"Streitsucht und Rechthaberei sind typisch deutsch"

30.06.2009 01:42 Uhr

"Nachbarschaftsstreit – Kolb greift ein" - Was tun, wenn es mit dem Nachbarn Zoff gibt? Eine neue RTL-Doku-Serie begleitet Anwalt und Mediator Kolb ab dem 29.7. bei der Arbeit am Gartenzaun. Jetzt erzählt der Experte im Interview über seine neue TV-Arbeit:

Herr Kolb, was bedeutet 'Mediation'?

Ernst A. Kolb: Mediation steht sinngemäß für Streitvermittlung. Ein 'Allheilmittel' gibt es natürlich auf keinem Gebiet. Allerdings kann die Mediation Sachverhalte lösen helfen, denen mit der klassischen Juristerei kaum beizukommen ist. Nur müssen die Medianten die Bereitschaft mitbringen, überhaupt an der Lösung ihres eigenen Konflikts mitwirken zu wollen. Insoweit ist die Mediation vergleichbar mit der Homöopathie. Sie nutzt sehr, wenn man ihr eine Chance gibt, und kann auch in Überdosen kaum schaden.

Nachbarschaftsstreit im Fernsehen ist nichts Neues. Warum greift Kolb jetzt ein?

Kolb: Bisher ging es bei Nachbarschaftsstreitigkeiten im Fernsehen meist darum, nur das Konfliktpotenzial zu zeigen. Es wurde vorgeführt, worüber sich die Deutschen streiten können. Uns geht es darum, der Streitursache auf den Grund zu gehen und Lösungen aufzuzeigen. Streiten und sich wieder vertragen ist ein Grundthema im Leben, das wir alle seit frühester Kindheit kennen. Als Erwachsene glauben wir oft, dass es keinen Ausweg aus dem Konflikt gibt. Gerade in den jetzigen Krisenzeiten muss ,Kolb‘ eingreifen und damit Auswege aus der zwischenmenschlichen Sackgasse aufzeigen. Das hat es so im deutschen Fernsehen noch nie gegeben.

Was bewegt Sie, zerstrittenen Nachbarn zu helfen?

Kolb: Nachbarschaftsstreitigkeiten sind für alle Beteiligten, also Anwälte, Gerichte und nicht zuletzt die Streitparteien, eher undankbar. Diese Einschätzung teilen auch die meisten meiner Anwaltskollegen. Daher drängt sich die Mediation auf diesem Gebiet geradezu auf. Als Mediator kann ich zerstrittenen Nachbarn, aber auch Erbengemeinschaften oder mobbenden Teams einen Weg aufzeigen, wie sie wieder miteinander ins Gespräch kommen und so eine gemeinsame Zukunft gestalten können. Ich betrachte mich als leidenschaftlicher Anwalt und Familienrechtler, der für seine Mandanten klare Position einnimmt und deren Interessen verfolgt. Daneben ist mein Mediatorendasein eine reizvolle Abwechslung.

Warum soll der Zuschauer Ihre Fälle verfolgen?

Kolb: Der Zuschauer soll an unseren Fällen lernen, dass man mit etwas gutem Willen und einem ebenso neutralen wie empathischen Dritten an der Seite eine Win-Win-Situation und damit ein besseres Miteinander herstellen kann.

Warum können die Betroffenen ihr Problem nicht selbst regeln?

Kolb: Weil ein Betroffener schon zwangsläufig nicht über den Dingen stehen kann, emotional handelt und damit nicht zugänglich ist.

Welcher Fall ist der Schlimmste, den Sie erlebt haben?

Kolb: Ein Fall, bei dem ein Ehepaar unter derart großem Verfolgungswahn litt, dass jegliches Alltagshandeln der Nachbarn, zum Beispiel das Hochziehen einer Jalousie oder das Beiseiteschieben von Vorhängen, gleich als ,persönlicher Lauschangriff‘ empfunden wurde.

Legen die Menschen Wert auf Versöhnung?

Kolb: Grundsätzlich glaube ich noch immer an das Gute im Menschen. Allerdings gibt es Menschen, die den Streit zum Lebensglück brauchen und denen eine Versöhnung entsprechend ´Lebensqualität´ nehmen würde.

Sind die Deutschen eher streit- oder harmoniesüchtig?

Kolb: Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich mit dieser Einschätzung unbeliebt mache: Streitsucht und Rechthaberei sind typisch deutsch.

Sind bei einem Nachbarschaftsstreit auch schon Menschen ums Leben gekommen?

Kolb: Ja, leider. Im vergangenen Jahr zum Beispiel in der Nähe von Hanau und in Regensburg, 2007 in Wuppertal. Der Großteil der Streitigkeiten landet aber zum Glück 'nur' vor Gericht und nicht im Krankenhaus oder auf dem Friedhof. Trotzdem sind es oft Kleinigkeiten, die die Parteien zu ungeahnten Wutausbrüchen verleiten. Laute Musik, zu häufiges Grillen, lärmende Tiere … Wenn dann die Grundchemie zwischen den Nachbarn sowieso noch nie so richtig gestimmt hat, dann reicht das mitunter schon für einen handfesten Kleinkrieg.

Wie gehen die Menschen in anderen Ländern mit dem Thema Nachbarschaftsstreit um? Ziehen die auch alle vor Gericht?

Kolb: Meiner Einschätzung nach wird bei unseren deutschsprachigen Nachbarn auch recht gern vor Gericht gezogen. In anderen Ländern zieht man es dagegen eher vor, direkt miteinander zu sprechen bzw. einen Ältestenrat oder auch Familienmitglieder als Schlichter einzuschalten, damit wieder Frieden einkehrt. Da können wir etwas lernen.

Kennen Sie den Nachbarschaftsstreit aus eigener Erfahrung und hatten Zoff mit einem Anwohner?

Kolb: Auch mir kann nicht jeder Nachbar sympathisch sein. Zu einem echten Streit würde ich es deswegen nicht kommen lassen. Da bin ich trotz mangelnder Distanz in eigener Sache dann doch Profi genug und halte es mit der guten alten Weisheit "der Klügere gibt nach".

Kontakt / Quelle

RTL-Textredaktion
Leyla Karsak
T: 0221 / 456 4233

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