medienhandbuch.de | Thomas Gottschalk würde ich sehr gern für Schulfunksendungen einsetzen (exklusiv)



Interview mit dem GEZ-Kritiker Nr. 1 in Deutschland

Thomas Gottschalk würde ich sehr gern für Schulfunksendungen einsetzen (exklusiv)

28.05.2009 10:53 Uhr

Bernd Höcker, GEZ-Kritiker und Buchautor, lässt nicht locker in seiner Forderung, die Rundfunkgebühren und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abzuschaffen. medienhandbuch.de sprach mit ihm über sein neues Buch, das französische Gebührenmodell und ob er eine Einladung von ARD/ZDF annehmen würde:

medienhandbuch.de:
Herr Höcker, ihr neues Buch "Blockwart-TV" ist seit einiger Zeit am Markt. Worum geht es im Kern?

Bernd Höcker:
Es geht zunächst darum, dass wir an der Nase herumgeführt werden, indem uns eingeredet wird, der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei staatsfern und unabhängig. Das ist Humbug. Ich stelle außerdem an vielen Beispielen dar, wie wir von dieser Institution drangsaliert und geschädigt werden. Das beginnt mit unanständigen Geldbeschaffungsgesetzen und -methoden und endet mit einem Rundfunkprogramm, das trotz der eingetriebenen Gebührenmilliarden immer ärmer wird, während das ganz große Geld in die Taschen der Protagonisten fließt. Das Buch beschreibt insgesamt eine Situation, in welcher der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich zunehmend wie eine Krake in unserem Lande breit macht, die Bürger ausbeutet, die Konkurrenz platt macht und sich dabei zahlreicher Freibriefe und Sonderrechte erfreut. Eine Tendenz, die kaum noch zu bremsen ist, die aber jeder zur Kenntnis nehmen sollte.

medienhandbuch.de:
Was sind Ihre konkreten Vorwürfe gegenüber der GEZ-Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks?

Bernd Höcker:
Die Rundfunkgebühr ist verfassungswidrig. Sie verstößt gegen das Grundrecht der Informationsfreiheit der Bürger und behindert die Rundfunkfreiheit anderer Anbieter, da diese im Wettbewerb stark benachteiligt werden. Außerdem verstößt der Zwang, für etwas zu zahlen, was man gar nicht haben will, gegen das Grundrecht der freien Entfaltung der Persönlichkeit. Rundfunkgebühren können Menschen in den Ruin treiben, da in bestimmten Fällen die Gebührenbefreiung versagt wird, auch wenn wenig oder gar kein Einkommen vorhanden ist. Selbstständige müssen für jedes einzelne Gerät Gebühren zahlen und kommen dabei leicht mal - auch als Einzelunternehmer - auf gute 700 Euro im Jahr. Das alles ist unhaltbar!

medienhandbuch.de:
Wie ist die bisherige Resonanz auf Ihr Buch?

Bernd Höcker:
Bisher habe ich gut 800 Stück verkauft. Da das Buch erst im März erschienen ist und ich außer auf meiner Webseite keine Werbung dafür gemacht habe, ist das für ein Sachbuch glaube ich eine recht gute Resonanz. Abmahnungen bezüglich des Buches gab es noch keine. Ich recherchiere sehr genau und vermeide Schmähkritik, sodass ich diese Gefahr nahezu ausschließen kann. „Nahezu“ heißt natürlich nicht, dass ich davor generell sicher bin. Bezüglich meiner Webseite wurde ich jetzt gerade ganz frisch abgemahnt, weil ich dort u.a. den Namen eines NDR-Mitarbeiters genannt habe. Eine Abmahnung ist aber ja noch kein Urteil. Ich habe die Abmahnung selbstverständlich auf meiner Webseite http://www.gez-abschaffen.de/ dokumentiert. Es geht immerhin um die Pressefreiheit! Mal gucken, was draus wird...

medienhandbuch.de:
In Frankreich wurde die GEZ abgeschafft. Jeder zahlt dort zusammen mit der Wohnungssteuer (Käufer von TV-Geräten werden dem Finanzamt gemeldet) monatlich ca. 10 Euro. Wer nichts verdient oder kein TV-Gerät besitzt, zahlt angeblich nichts. Wäre das ein Modell für Sie?

Bernd Höcker:
So etwas ähnliches wollen ja auch ein paar Hinterbänkler von FDP und CDU bei uns einführen: Die Medienabgabe. Die wäre nach deren Vorstellungen allerdings auch von denjenigen zu zahlen die gar keine Geräte haben. - So geht’s nicht! ARD und ZDF sollen sich zu gleichen Bedingungen dem Markt stellen, wie die Privaten. Schließlich ist ihr Angebot weder unabhängiger noch wertvoller. Die Finanzierung geht nur mit freiwilligen Gebühren über Decoder oder eben die Finanzierung durch Werbung. Bei Schulfunk, Telekollegs und Sprachkursen würde ich allerdings eine Ausnahme machen. Das könnte steuerfinanziert werden.

medienhandbuch.de:
Wie viele Personen besuchen denn monatlich ihre Website gez-abschaffen.de? Werden Sie häufig von Hilfesuchenden angesprochen?

Bernd Höcker:
Monatlich habe ich rund 170.000 Seitenaufrufe. Natürlich kommen sehr viele Hilferufe. Leider kann ich davon nur einen kleinen Bruchteil journalistisch betreuen. Rechtsrat darf ich nach unseren Gesetzen nicht geben. Z.Zt. betreue ich aber eine 85-jährige Frau mit schwersten körperlichen Behinderungen und RF-Zeichen in ihrem Behindertenausweis. Sie ist damit unbegrenzt von den Rundfunkgebühren zu befreien. Außerdem hatte sie im Forderungszeitraum ihren Wohnsitz nicht in Deutschland, sondern in Spanien. Trotzdem wird sie von der GEZ regelrecht gejagt. Die GEZ ist gnadenlos.

medienhandbuch.de:
Stellen Sie sich vor, ARD/ZDF rufen sie morgen an und fragen, ob Sie als Kommissionsmitglied zur Überarbeitung der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dabei sind. Was wäre ihre Antwort?

Bernd Höcker:
Natürlich würde ich gern bei der Abwicklung dieses gescheiterten Systems mithelfen. Sollte man Teile davon erhalten wollen, etwa für Schulfunk, Telekollegs und Sprachkurse, würde ich als erstes die exorbitanten Gagen und Gehälter abschaffen. Thomas Gottschalk würde dann nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder bezahlt. Er ist doch gelernter Lehrer. Ihn würde ich daher sehr gern für Schulfunksendungen einsetzen.

Das Interview mit Bernd Höcker führte Oliver Hein-Behrens.

Links zum Thema

www.gez-abschaffen.de

Kontakt / Quelle

medienhandbuch.de
Oliver Hein-Behrens
chefredaktion@medienhandbuch.de

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