Podcast bei Kaffee und Kuchen
User-generated Content wird das zweite Standbein der Medienwelt - Interview mit Christian Rottmann (exklusiv)
08.02.2007 11:04 Uhr
Für Sie ist Web 2.0 einfach zu weit weg? Alles so virtuell und einfach nicht wirklich greifbar? Der Bonner Christian Rottmann schafft seit Ende 2006 Abhilfe. Im "Cafè Podcast" in der Friedrichstraße bietet er neben Kaffee und Kuchen ein komplettes Produktionsstudio für eigene Vodcasts. Das passende Clip-Portal gibtÂ’s gleich dazu Â…
Für Sie ist Web 2.0 einfach zu weit weg? Alles so virtuell und einfach nicht wirklich greifbar? Der Bonner Christian Rottmann schafft seit Ende 2006 Abhilfe. Im "Cafè Podcast" in der Friedrichstraße bietet er neben Kaffee und Kuchen ein komplettes Produktionsstudio für eigene Vodcasts. Das passende Clip-Portal gibt’s gleich dazu …
"Es gibt viele kreative Menschen, die Ihr Schaffen nicht nur dem Publikum vor Ort präsentieren wollen."
medienhandbuch.de:
Herr Rottmann, Anfang Dezember 2006 haben Sie in Bonn das "Cafè Podcast" eröffnet. Was steckt dahinter?
Christian Rottmann:
Neben dem üblichen Angebot in einem Cafè haben Sie bei uns die Möglichkeit, Ihr eigenes Web-Video zu erstellen. Das "Cafè Podcast" hat sein virtuelles Pendant unter www.cafe-podcast.de. Jeder Mensch der seinem Kommunikations- oder Selbstdarstellungsbedürfnis nachkommen möchte, kann das hier tun.
Wir haben eine "offene Bühne", auf der wir Auftritte ermöglichen, die wir mit moderner Studiotechnik aufzeichnen und auf unserer Seite veröffentlichen. Unsere Protagonisten können sich das Material von der Seite herunterladen oder auf einem Datenträger mitnehmen.
medienhandbuch.de:
Was reizt einen Medienmenschen, ein Cafè zu eröffnen? Wie kam es zu der Idee?
Christian Rottmann:
Die Möglichkeit eine große Bandbreite kultureller Aktivitäten aufzufangen und aus dem öffentlichen Raum über das Netz weltweit zugänglich zu machen hat mich gereizt. Das Cafè erschien mir als der ideale Ort, unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen und mit den Möglichkeiten des Internets vertraut zu machen. Es gibt eine große Gruppe kreativer Menschen, die Ihr Schaffen nicht nur dem Publikum vor Ort präsentieren wollen. Die globale Verbreitungsmöglichkeit begeistert und wird mit unserer Unterstützung unmittelbar umgesetzt.
medienhandbuch.de:
Was interessiert Sie besonders am neuen Web 2.0 - und vor allem an der Verbindung mit einem real existierenden Cafè? Der kleine Jugendtraum Kneiper ...
Christian Rottmann:
Kneiper wollte ich zu keinem Zeitpunkt werden ... Es ist in der Tat Web 2.0 in Verbindung mit der realen, lokalen Dimension. Jeder kann hier Sender sein und findet einen Rahmen vor, der eine unmittelbare Reaktion durch die Menschen vor Ort nach sich zieht. Über unser Forum wird eine virtuelle Kommunikation mit den Usern ermöglicht, die sich für seine Sachen interessieren.
"Der Ideenreichtum ist sehr groß."
medienhandbuch.de:
Sowohl das "reale" Cafè als auch die virtuelle Video-Lounge laufen nun seit gut zwei Monaten. Wie sehen das erste Feedback und die erste Resonanz aus?
Christian Rottmann:
Die Reaktionen sind durchweg positiv, das Cafè und das Ambiente wird gut angenommen. Den Schritt auf die Bühne wollen viele machen, Musiker, Künstler oder auch Gäste, die einfach nur Spaß vor laufender Kamera haben. Immer mehr Menschen bereiten Ihre Sachen vor und prüfen zunächst das Ergebnis, bevor sie eine Freigabe für die Veröffentlichung im Netz geben. Ich bin sicher, dass wir noch viele, völlig unterschiedliche Genres präsentieren werden. Der Ideenreichtum, der an uns herangetragen wird, ist sehr groß.
medienhandbuch.de:
Welche Zielgruppe wollen Sie erreichen? Bzw. wer kommt derzeit zu Ihnen?
Christian Rottmann:
Neben den Web 2.0-Usern, die von zu Hause aus Ihre Aktivitäten durchführen, vor allem Menschen, die bisher über die Möglichkeiten gesprochen oder gelesen haben, aber die die Zugangshürde noch nicht genommen haben. Die erreicht man beispielsweise über Grußbotschaften, die sie bei uns erstellen und für den Anfang zunächst einem geschlossenen Nutzerkreis zugänglich machen können. Tagsüber ist das Publikum breit gestreut - wir haben alle Altersgruppen hier.
Die Straße wird zur Zeit in eine Fußgängerzone umgewandelt, dann ist auch Außengastronomie möglich, was die Publikumsstruktur sicherlich noch breiter macht.
medienhandbuch.de:
Die Bezeichnung des Podcast ist längst nicht jedem bekannt. Wie sieht Ihre Überzeugungs- und Informationsarbeit aus?
Christian Rottmann:
Das ist richtig, der Begriff ist den meisten noch unbekannt, insoweit leiste ich in der Tat sehr viel Informationsarbeit! Hinzu kommt, dass der Begriff Podcast im engeren Sinn Audiodateien meint. Wir sprechen daher gerne von Vodcasts und nicht von Video Podcasts. Wenn wir erläutert haben, worum es geht, dann sind auch die Menschen interessiert, für die Podcasting bis dato unbekannt war.
"Der Begriff Podcast hat eine Eigenständigkeit entwickelt."
medienhandbuch.de:
Was halten Sie eigentlich von dem Apple-gebrandeten Begriff? Schadet die durchaus eingrenzende Apple-Färbung?
Christian Rottmann:
Mir ist nicht klar, dass es sich hier um einen Appel-gebrandeten Begriff handelt. Zunächst hat ja Adam Curry dieses Wortkompositum geschaffen. Der iPod ist ein Trägermedium, dass sich wie viele andere auch zum Abspielen und Verwalten der abonnierten Inhalte eignet. Bei Podcasting in seiner heutigen Erscheinungsform geht es vor allem um Broadcasting: Das Senden steht im Mittelpunkt! Insoweit hat der Begriff Podcast eine Eigenständigkeit entwickelt.
medienhandbuch.de:
Stöbert man durch die Videos auf Ihrer Seite, so sieht man einerseits verschiedene private Podcast-Begegnungen, andererseits auch immer die Verbindung zu Events. Wie würden Sie in wenigen Worten für das "Café Podcast" werben? Was macht es aus?
Christian Rottmann:
Die Events entstehen auch aus den Podcast-Begegnungen. Im "Cafè Podcast" wird unmittelbar kommuniziert und daraus entsteht beispielsweise eine Konzertaufzeichnung wie mit der Bonner Band "Aries".
Schafft Euch Euer eigenes Event und sendet es an viele! Das ist hier möglich, das macht es aus!
medienhandbuch.de:
Die Video-Portale boomen. Nicht zuletzt nach der 1,65 Milliarden teueren YouTube-Übernahme durch Google sprießen die Webportale für Bewegtbilder reichlich aus dem Boden. Was macht den Trend aus? Und wie lange wird er halten?
Christian Rottmann:
Es geht dabei um User-generated Content, das ist der Initialgedanke. Hier stehen wir noch am Anfang der Entwicklung. Der Rezipient wird zum Sender und es wird sich zeigen wie "echte Menschen" mit Ihrer Medienverantwortung umgehen … In jedem Fall führt diese Entwicklung zu mehr Authentizität! Ich bin überzeugt davon, dass sich dieser Trend zu einer festen Größe in unserer künftigen Medienlandschaft entwickeln wird.
"User-generated Content wird zu einem echten zweiten Standbein der Medienwelt."
medienhandbuch.de:
Es sind allerdings noch viele ungeregelte Fragen zu klären! Ganz aktuell beschwert sich Viacom einmal mehr über die Urheberrechtsverletzung. 100.000 Videos sollen demnach bei aus dem YouTube-Fundus gelöscht werden ...
Christian Rottmann:
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis User-generated Content zu einem echten zweiten Standbein der Medienwelt wird. Wenn die Menschen empfinden, dass Weiterverwertung von nicht eigengenerierten Inhalten tatsächlich langweilig ist, wird eine Welle der Eigenkreationen folgen, die dann auch breit an die Öffentlichkeit getragen werden kann. Das "Cafè Podcast" will dabei unterstützen.
medienhandbuch.de:
Wie steht's um die Refinanziermodelle? Sie haben immerhin das Cafè als direkte Erlösquelle...
Christian Rottmann:
... und das muss laufen! Hier gelten die Regeln der Gastronomie, die Lage und die Entwicklungsmöglichkeiten - Beispiel Außengastronomie - sprechen dafür, dass wir erfolgreich sein werden. Im weiteren Nutzen wir unsere Produktionsmöglichkeiten auch kommerziell für Bewerbungsvideos, Casting- und Imagespots und und und … Das sind nur einige der Produkte, die wir anbieten. Ich bin sicher, dass unser Konzept auch wirtschaftlich erfolgreich sein wird!
medienhandbuch.de:
Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus? Was macht den Standort Bonn aus? Und wo könnten Sie sich gut weitere "Cafè Podcast"-Ableger vorstellen?
Christian Rottmann:
Das "Cafè Podcast" in Bonn ist der Prototyp. Bonn war einerseits aus persönlichen Gründen interessant, aber auch weil ich überzeugt davon bin, das die Menschen hier mit unserem Angebot etwas anfangen können … Und reichlich davon gebrauch machen werden!
Natürlich denke ich an Expansion! Nach Bonn kommt Berlin, Hamburg, München … Nun gut, vielleicht noch ein Traum. Aber der könnte bald Wirklichkeit werden!
medienhandbuch.de:
Dann wünschen wir Ihnen viel Erfolg und freuen uns auf das erste "Cafè Podcast" in Hamburg!
Die Fragen stellte Tobias Winkler.
Das Video-Portal des Cafè Podcast ...
medienhandbuch.de
Tobias Winkler
t.winkler@medienhandbuch.de
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