In den Weiten des Internets
Was dem einen mundet, schmeckt dem anderen noch lange nicht! - Futter für Podcast-Anfänger (exklusiv)
20.07.2006 13:01 Uhr
Podcasting ist in aller Munde. Sogar unsere Kanzlerin Angela Merkel hat ihr eigenes Video-Podcast. Aber der Ursprung liegt woanders. André Fliß von podcastzentrale.de macht sich exklusiv für medienhandbuch.de auf in die Weiten des (deutschsprachigen) Internets - auf der Suche nach Hör- und Sehbarem, sowohl für den Podcast-Einsteiger, als auch für den interessierten Fortgeschrittenen ...
Podcasting ist in aller Munde. Sogar unsere Kanzlerin Angela Merkel hat ihr eigenes Video-Podcast. Aber der Ursprung liegt woanders. André Fliß von podcastzentrale.de macht sich exklusiv für medienhandbuch.de auf in die Weiten des (deutschsprachigen) Internets - auf der Suche nach Hör- und Sehbarem, sowohl für den Podcast-Einsteiger, als auch für den interessierten Fortgeschrittenen ...
Eine Podcast-Top-Ten-Liste sollte ich erstellen, das war die Anfrage. Aber: will ich das wirklich? Denn: gerade die Steuerung durch "Quoten" - also mengenbasierte Werturteile - ist das, was Podcastern eigentlich widerstrebt. Wichtigste Motivation ist hingegen eher, das Format-Einerlei der herkömmlichen Radio- und Fernsehprogramme mit neuen Inhalten aufzumischen und Alternativen anzubieten. Somit wird es "leider" nur ein Streifzug durch die Welt der Podcasts, bei dem ich ein paar interessante Podcasts exemplarisch vorstellen möchte - jedoch ohne Wertung. Ab diesem Ausgangspunkt steht dann jeder Podcast-Hörer (oder -Seher) in spe in der Pflicht, selber in die verschiedensten Podcasts hineinzuhören, um seine Favoriten zu finden und sich sein eigenes Programm zusammen zu stellen.
Einer der ersten Podcasts, die ich regelmäßig gehört habe, war Nachtfunk (http://www.nachtfunk.de). Mittlerweile ist sein Macher Georg Schneider zwar nicht mehr ganz so aktiv - Nachtfunk-Episoden erschienen lange Zeit täglich -, aber auch die schon etwas älteren Folgen können mit einem weit gefächerten, fast schon feuilletonistisch anmutenden Themenspektrum einen guten Einblick vermitteln, wie man einen interessanten privaten Podcast produzieren kann. Aktuell ist Georg Schneider übrigens vor allem im Rahmen des Podcastclubs (http://www.podcastclub.de) aktiv, der in Zusammenarbeit mit der GEMA den längst überfälligen Tarif für Podcaster ausgearbeitet hat. Somit ist es Podcastern jetzt endlich möglich, auch GEMA-pflichtiges Repertoire zu spielen.
Themenpodcasts waren von Anfang an ein wichtiger Teil der Podcast-Szene. Von Lernpodcasts wie z.B. Lernpilot (http://www.lernpilot.de/blog - gemischt mit Textblog-Beiträgen) oder dem Law Podcasting (http://www.law-podcasting.de) bis hin zum Supermoto-Podcast (http://www.sm-podcast.de), in dem über aktuelle Ereignisse aus der Motorrad-Supermoto-Szene berichtet wird, gibt es viele Podcasts zu ganz speziellen Themen, die im herkömmlichen Radio oder TV keinen Platz bekommen würden. Natürlich existieren auch einige Podcasts zum Thema Marketing und Kommunikation ( z.B. Einfallsreich.TV - http://www.einfallsreich.org).
Ein ganz interessanter Video-Podcast ist Digital Upgrade (http://www.digitalupgrade.de). Bastian Wölfle und Tino Tezle verstehen es, die oft trockene Materie rund um den Computer witzig aufzubereiten und dem Zuschauer zum Beispiel anschaulich zu erklären, wie er einen Server auf Linux-Basis einfach aufsetzen kann.
Auch skurrille Podcasts sind naturgemäß vorhanden - sie sind die besonders bunten Vögel in der Podcasting-Szene. Exemplarisch seien hier Kiff FM (http://www.kiffen-fm.de) oder auch kraut mask replica (http://siemers.podspot.de) genannt. Bei Letzterem hört man z.B. in einer ganzen Episode nichts anderes als Geräusche aus dem Zimmer des Machers Ralf Siemers. In einer anderen Episode bekommt man sphärische Klänge zum Thema "Eat the rich - kill the poor" präsentiert.
Auch die konventionellen Rundfunkanstalten haben das Potenzial des Podcastings erkannt und sind auf den Zug aufgesprungen. Zwar handelt es sich hier meist nur um die Zweitverwertung bereits bestehender Inhalte, doch ist es ja nicht unbedingt als Nachteil anzusehen, wenn man seine Lieblingssendung auch im Ausland herunterladen und anhören kann. Zumal die Verwertung als Podcast ja den Vorteil der zeitsouveränen Nutzung für den Hörer bietet - man muß also nicht auf die Sendung in Radio oder Fernsehen warten, sondern kann sie hören, wann und wo man möchte. Einer der ersten Podcasts in diesem Bereich war "Hart aber Fair". Grimme-Preisträger Frank Plasberg, nutzt gern alle medialen Möglichkeiten und hat als einer der ersten auch das Podcasting zur Vergrößerung der Reichweite eingesetzt ( http://wdrblog.de/haf).
Viele Comedies der Sender werden über das Podcasting ebenfalls einer weiteren Auswertung zugeführt, erkennt man doch, dass man vom positiven Image des neuen Mediums profitieren kann, auch wenn die 1:1-Verwertung eigentlich für das Radio produzierter Inhalte in Podcasterkreisen nicht ganz so gern gesehen oder gehört wird Als Beispiel sei hier EinsLive genannt (http://www.einslive.de/daswort/diecomedys), das vor allem durch Lukas Tagebuch auf sich aufmerksam gemacht hat (der arme Herr Podolski wollte den ARD-Sendern danach keine Interviews mehr geben und den WDR verklagen). Mit dieser Comedy-Show wurden nach Aussage seines Machers Jan Böhmermann allein im Juni 180.000 Dateidownloads per Podcast generiert.
Der Vorteil der Zweitverwertung von Inhalten herkömmlicher Broadcaster ist zweifelsfrei in der meist durchweg guten Produktionsqualität zu sehen. Gelten viele - vor allem private -Podcasts nämlich zwar als kultig, so haben Podcasts in hoher Qualität deutlich mehr Chancen auf ein langfristiges Abo. Gerade Firmen, die mit dem Gedanken spielen, in das Podcasting einzusteigen, sollten sich daher Gedanken machen, ob Sie ihr Image mit einer schlechten Produktionsqualität verspielen wollen (wie es z.B. bei einigen Podcasts der Computerzeitschriften der Fall ist), oder nicht doch lieber auf einen professionellen Dienstleister und gute Sprecher für die Podcast-Produktion mit guten Konzepten zurückgreifen sollten.
International gesehen ist die Podcast-Bewegung, insbesondere im Mutterland USA, vielfach schon sehr viel ausgeprägter und auch in der Verknüpfung von Inhalten und Werbung zur Refinanzierung bereits weiter fortgeschritten. Als Beispiel seien hier die Zusammenarbeit von Gatorade mit einem Spezial-Podcast für Ausdauer-Sport (http://www.enduranceradio.com) sowie des Senders KCRW (http://www.kcrw.com/podcast) mit Toyota/Lexus genannt. KCRW konnte einen Sponsoring-Vertrag über zunächst ein Jahr mit Toyota abschließen. Hintergrund für diese Engagements ist vor allem die für Werbetreibende sehr genaue Ansprache eines speziellen Zielpublikums mit vergleichsweise wenig Streuverlusten.
AudioBC (http://www.audiobc.com) dagegen versucht, einen anderen Weg zur Monetarisierung von Podcast-Inhalten zu beschreiten: Wirtschaftsthemen als Premium-Content. Zurzeit noch kostenlos, möchten die Betreiber Andreas Romppel und Micha Spannaus ab September 2006 mit einem Jahresabo für EUR 60,- Hörer als zahlende Abonnenten gewinnen.
So, damit hat man einmal einen Einstieg und viele Informationen über die Welt des Podcastings und kann von diesem Startpunkt aus Weiteres ergründen und die spannende Entwicklung verfolgen. Der Podcast-Anfänger sollte aber nie vergessen, dass er selbst medienkompetent auswählen und sich nicht unbedingt auf Urteile anderer verlassen sollte. Denn: was dem einen mundet, schmeckt dem anderen noch lange nicht. Das haben vor allem die jetzigen Platzhirsche der Medienbranche leider viel zu lange ignoriert.
Weitere Podcasts sind zu finden unter www.podcastzentrale.de
http://www.nachtfunk.de
http://www.podcastclub.de
http://www.lernpilot.de/blog
http://www.law-podcasting.de
http://www.sm-podcast.de
http://www.einslive.de/daswort/diecomedys
http://wdrblog.de/haf
http://www.einfallsreich.org
http://www.digitalupgrade.de
http://www.kiffen-fm.de
http://siemers.podspot.de
http://www.enduranceradio.com
http://www.kcrw.com/podcast
http://www.audiobc.com/
André Fliß
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