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Neue Online-Werbeformen geplant

«Weblin ist die Brücke vom Second Life ins First Life» - Interview mit Christine Stumpf (exklusiv)

24.05.2007 09:25 Uhr

Nein, es gibt nicht nur Second Life, wenn es um Web 2.0 und Avatare, also digitale Alter Egos geht. Da ist zum Beispiel das Unternehmen Weblin, das eine pfiffige Idee zum Businessmodell gemacht hat. medienhandbuch.de sprach mit Christine Stumpf, Mitgründerin von weblin ...

Nein, es gibt nicht nur Second Life, wenn es um Web 2.0 und Avatare, also digitale Alter Egos geht. Da ist zum Beispiel das Unternehmen Weblin, das eine pfiffige Idee zum Businessmodell gemacht hat. medienhandbuch.de sprach mit Christine Stumpf, Mitgründerin von weblin:

medienhandbuch.de:
Kleine 2-D-Figuren, die auf allen Websites, die man aktuell besucht, am unteren Bildrand auftauchen und mit denen man mittels eigenem 2-D-Avatar chatten und gestikulieren kann. Ist das eine gute Kurzbeschreibung von Weblin?

Christine Stumpf:
Ja, die Beschreibung kommt hin. Ich würde noch anfügen: Weblin ist wie im richtigen Leben: Leute, die zeitgleich im selben Raum sind, auf der Webseite im virtuellen Raum, können sich sehen und miteinander sprechen.

medienhandbuch.de:
Woher stammt die Idee und was ist die Philosophie?

Christine Stumpf:
Die Idee stammt von Dr. Heiner Wolf, dem CTO der zweitgeist GmbH. Er hat im Jahr 1996 während eines Forschungsprojekts an der Universität Ulm, die Idee der virtuellen Präsenz (VP) erstmals beschrieben. Mit der Entwicklung des Internets zum Massenmedium ist auch die VP gewachsen und ist heute als breit anwendbare Software weblin nutzbar.
weblin macht das Internet lebendig und sozial. Wir sind überzeugt, dass weblin eine völlig neue Wahrnehmung des Internets, nämlich ein lebendiges Web mit sichtbaren und kommunikativen Menschen, ermöglicht. Weblin läutet eine neue Ära im Internet ein. Sie können den Unterschied zwischen einem Internet vor weblin und mit weblin ganz einfach verstehen, wenn Sie sich die reale Welt anschauen. Würde es ihnen gefallen, alleine auf der Welt zu sein, nur Gebäude, Straßen, Geschäfte und leere Cafes zu sehen? Vermutlich nicht. Die Welt ist viel schöner, wenn Sie Menschen sehen können, wenn Sie in Cafes gehen, wo auch andere hingehen. So ist es auch im Internet. Menschen brauchen Menschen. Weblin macht es möglich.

medienhandbuch.de:
Seit November 2006 sind Sie mit Weblin, früher Zweitgeist, online. Was sind die technischen und inhaltlichen Milestones seit dem Start bis heute?

Christine Stumpf:
Nun zunächst haben wir einen exzellenten Start hingelegt und innerhalb der ersten 4 Wochen über tausend Nutzer begeistern können. Wir hatten und haben bis heute sehr gutes Presse- und Blog-Feedback. Die Gespräche mit den Communities, die wir als Partner gewinnen möchten, verlaufen positiv bis hin zu unserem größten Partner Windows Live Messenger, den man sicher als Meilenstein ansehen kann. Um diese Kooperation zu stemmen, haben wir die Server entsprechend aufgebaut.
Wir haben mit dem Beenden der Beta-Phase und der Umbenennung in weblin den richtigen Schritt in Richtung Internationalisierung gemacht. Bereits eine Woche danach hatten wir rund 40% internationale Besucher auf http://www.weblin.com, was sich schließlich auch in den Downloads niedergeschlagen hat. Diesen Weg gehen wir jetzt weiter.

medienhandbuch.de:
Wie haben sich die Nutzerzahlen entwickelt? Welche Websites besuchen Weblin-Avatare? Welche Daten können Sie überhaupt generieren und ausweisen?

Christine Stumpf:
Die Nutzerzahlen entwickeln sich sehr gut. Wir sind jetzt fünfstellig und haben besonders lange tägliche Nutzungszeiten. Unsere Nutzer sind im Schnitt fast drei Stunden täglich mit weblin online. Die User besuchen - außer weblin.com - am häufigsten die bekannten und großen Portale wie Google und Ebay. Wir speichern allerdings nicht, wo die User surfen, aus Datenschutzgründen. Wir wissen von den Nutzern Durchschnittszahlen, beispielsweise wie lange die Nutzer online sind und wie viele Chatzeilen sie tippen. Wir haben auch überraschend viele internationale Nutzer, Japaner, Brasilianer, Franzosen, Israelis und US-Amerikaner.

medienhandbuch.de:
Was bringen Ihnen Kooperationen wie die mit Windows Live Messanger? Zahlen Sie etwas dafür an Microsoft?

Christine Stumpf:
Nein, wir zahlen nichts an Microsoft. Windows Live Messenger hat eine Palette Avatare, die exklusiv für Windows Live Nutzer zur Verfügung stehen. Die Kosten für die Anfertigung der Avatare haben wir an Microsoft weitergeleitet, wir verdienen nichts daran legen aber auch nicht drauf. Die weiteren Kooperationsaktivitäten sind kostenlos. Wir bzw. unsere User profitieren beide von der Koop. Weblin und der Windows Live Messenger ergänzen sich hervorragend. Mit dem Messenger kann man mit Freunden in Kontakt bleiben, mit weblin kann man neue Menschen kennen lernen, die die gleichen Interessen haben und irgendwann vielleicht zu Freunden werden.

medienhandbuch.de:
Die Software ist für Nutzer kostenlos, die Nutzung scheinbar unabhängig von der besuchten Internetseite. Wie refinanzieren Sie sich?

Christine Stumpf:
Es ist richtig, die Nutzung ist unabhängig von der Webseite. Das Geschäftsmodell stützt sich auf drei Säulen. Eine neue Form von Online-Werbung, ein Premium-Modell für eine umfangreiche zusätzliche Funktionspalette und der Verkauf von virtuellen Gegenständen und Zaubersprüchen. Für alle drei Säulen gibt es bereits erfolgreiche Beispiele im Internet.

medienhandbuch.de:
Welche Formen von Werbung sind möglich bzw. geplant? Werden wir zukünftig Weblin-Avatare in Magenta oder anderen CI-Outfits sehen?

Christine Stumpf:
Ja, definitiv. Ob auch der Magenta-Konzern zu unseren Werbekunden gehören wird, ist noch nicht klar aber wir haben bereits mehrere Anfragen und eine Zusage von werbetreibenden Unternehmen. Wir arbeiten bereits am ersten weblin-Werbe-Theaterstück. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, intelligente und aufmerksamkeitsstarke Werbung zu machen. CI-Outfits sind ein Anfang aber man darf gespannt sein, weblin Werbung ist jedenfalls so noch nie da gewesen.

medienhandbuch.de:
Würden Sie die Weblins als typische Web 2.0 Anwendung betrachten? Sind sie sogar eine Konkurrenz für Second Life?

Christine Stumpf:
Weblin ist Web 2.0 ja. Denn weblin ist sozial, es macht das Internet lebendig, es funktioniert nur mit und durch die Menschen, die mitmachen. Mit jedem weblin surft ein Mensch. Sich mit Second Life (SL) zu vergleichen wäre nicht korrekt. Wir meinen, dass weblin die Brücke vom Second Life ins First Life ist. Mein Kollege Jan Andresen sagt immer, bei SL hat jemand vergessen die Tür zu schließen und die Avatare sind ins Internet gelaufen. SL ist eine abgeschlossene Welt, wie Online Games auch. Weblins dagegen sind frei, sie bewegen sich auf beliebigen Webseiten.

medienhandbuch.de:
Welche neuen Inhalte und Funktionen planen Sie bis Ende 2007?

Christine Stumpf:
Wir arbeiten im Moment daran, die Community Kooperationen weiter auszubauen. Featureseitig steht eine Buddylist als Erweiterung auf dem Plan und wir werden in der nächsten Zeit viele neue animierte Avatare anbieten. Tiere, Fantasiefiguren, Summer-Styles, für jeden etwas. Ein weiteres Feature sind ein Punkte und Ranking System. Weblins die beispielsweise besonders aktiv sind, können so Punkte sammeln und ihre Reputation verbessern. Die Werbung wird auch den Usern viel Spaß machen und wir werden Zaubersprüche einführen. Mit den Zaubersprüchen können weblins Rosen regnen lassen oder Rauchbomben zünden. Das Jahr wird jedenfalls noch sehr aufregend.

Das Interview mit Christine Stumpf führte Oliver Hein-Behrens.

Links zum Thema

http://www.weblin.de

Kontakt / Quelle

medienhandbuch.de
Oliver Hein-Behrens
chefredaktion@medienhandbuch.de

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