
Focus Money bringt kritischen Artikel zu den Terroranschlägen
"Wir glauben euch nicht (mehr)!" - Neuer Trend oder nur Taktik? (exklusiv)
07.01.2010 12:20 Uhr
Viele reiben sich verwundert die Augen: Zum ersten Mal kann man im Print-Medium eines namhaften Verlagshauses einen ausführlichen "Verschwörungsartikel" zum Anschlag auf das World Trade Center lesen.
Das Verlagshaus Burda scheint mit Focus Money neue Wege gehen zu wollen. In einem fünfseitigen Beitrag bringt Focus-Money-Redakteur Oliver Janich umfangreiche Informationen zu „kontrollierten Sprengungen von WTC 1, 2 und 7, die fehlende Boeing im Pentagon und das Ausbleiben der Abfangjäger.“
Janich, der auch Mitglied der unbekannten Partei der Vernunft (pdv) ist, schreibt auf der offiziellen Partei-Homepage ausführlich über die Entstehungsgeschichte seines Artikels: „Es ist vollbracht. Focus Money bringt am 5. Januar 2010 fünf Seiten über die Lügen des 11. September 2001. Mehr als fünf Jahre habe ich dafür gekämpft.“
Lesenswert dort auch seine Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte: „Was viele übersehen: Es ist gar nicht notwendigerweise eine große Medienverschwörung nötig, damit solche kritischen Geschichten nicht kommen, gerade bei Großereignissen. Jeder hat nämlich Angst sich mit den nächsten Hitler-Tagebüchern zu blamieren. … Ich gelte … in der Redaktion … als „Spinner“ (wörtliches Zitat von der Focus Weihnachtsfeier). Die meisten Kollegen glauben mir nicht, obwohl Ihnen keiner befohlen hat, die offizielle Verschwörungstheorie zu schlucken.“
Er fordert die Leser dazu auf, das aktuelle Focus Money Heft zu kaufen, denn „es ist in erster Linie Werbung für die alternativen Medien, die das schon immer gesagt haben. Damit steigt doch die Glaubwürdigkeit dieser Medien. Die Gewinn- und Verlust-Rechnung von Focus tangiert das nicht, ob sich dieses eine Heft mehr oder weniger verkauft. Aber es könnte Druck aufbauen, öfter mal über den Tellerrand hinauszusehen.“
Das sehen manche anders. Auch andere Verschwörungstheoie-Themen, die bisher fast ausschließlich in der bekannten „Gegenöffentlichkeit“ Internet oder in Buchform zu finden waren, erobern nun vorsichtig aber stetig die Mainstream-Medien. So brachte Welt online unter der Headline „Milchpreise: Die bizarren Verschwörungstheorien eines Bauern“ zum Beispiel einen ausführlichen Beitrag über Erwin S., der davon überzeugt sei, dass „geheime Mächte die Milchpreise manipulieren“. Über allem stünden die Illuminaten glaube der Milchbauer aus Niederbayern.
Auch wenn Redakteure und -Redaktionen der Verlagsmedien in der Regel noch sehr bemüht sind, deutlich zu machen, dass es sich nicht um ihre Meinung handelt oder sich sogar wie im Fall des Milchbauern darüber lustig machen, um Distanz zu wahren: Sie bringen sie nun, diese „Gegenöffentlichkeits“-Themen.
Zum einen kommt hier sicherlich das taktische Kalkül mancher Chefredakteure und Herausgeber zum Ausdruck, eventuell wieder mehr Auflage in der jetzigen Krise durch bisherige Non-Mainstream-Themen zu bekommen. Zum anderen sind solche Themen gerade in Zeiten wirtschaftlicher Instabilität hoch gefragt bei einer immer breiteren Leserschaft. Der Grund: Lösungen werden gesucht. Solange sie nicht von altbekannten „Kanälen“ kommen, werden eben „andere“ Ansätze verfolgt.
Ob Trend oder Taktik: Diese neue Entwicklung der Einbettung von Gegenöffentlichkeitsthemen in Mainstream-Medien wird sich wohl erst wieder ändern, wenn es wieder mehr "positive" Meldungen gibt. Bis dahin bleibt nicht die die Frage, ob, sondern nur wann wir die erste „Wir glauben euch nicht (mehr)!“ Schlagzeile in der Bild lesen werden!
ohb
http://www.parteidervernunft.eu/node/703
http://www.welt.de/politik/deutschland/article5701310/Die-bizarren-Verschwoerungstheorien-eines-Bauern.html
http://www.focus.de/finanzen/
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