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Online-Kreativplattform zur Ideenfindung

Wir sind eine sinnvolle Ergänzung für Agenturen (exklusiv)

05.03.2009 12:18 Uhr

Das Berliner Start-up jovoto.de sorgt für Aufmerksamkeit in der Branche. So richtet die SPD über die Online-Plattform einen Kreativ-Wettbewerb aus, bei der ein Signet für Frank-Walter Steinmeier gefunden werden soll. medienhandbuch.de sprach mit dem Managing Partner Bastian Unterberg über Ziele, Inhalte und Ängste:

medienhandbuch.de:
Gleich zu Beginn mal brutal gefragt: Sind sie der Totengräber der klassischen Agentur- und Pitch-Szene?

Bastian Unterberg:
Ganz klares Nein! Wir sind eine sinnvolle Ergänzung für Agenturen gerade in der Ideenfindung. Viele Agenturen arbeiten in Pitchsituationen doch schon mit freien Teams zusammen. Bei jovoto sind es eben nicht zwei oder drei Freelancer, sondern über 2.000 kreative Köpfe. Ohne das strategische Know-how der Agenturen an der Seite der Kunden geht es selten, dies kommt vor allem beim Aufsetzen der Wettbewerb Briefings, als auch bei der Auswahl und Ausarbeitung der Wettbewerbsergebnisse zum Einsatz. Das enorme Kreativpotenzial der jovoto-Community gepaart mit dem strategischen Know-how der Agentur ergibt einen tatsächlichen Mehrwert für den Kunden.

medienhandbuch.de:
Für Unkundige: Was genau ist jovoto?

Bastian Unterberg:
jovoto ist eine Kreativplattform zur Ideenfindung und funktioniert als Social Network für kreative Köpfe, wie z.B. Designer, Werbetexter und Illustratoren. Uns ist es wichtig aufzuzeigen, dass Kreativwettbewerbe auch fair funktionieren. Dies erreichen wir durch einen transparenten und fairen Umgang ganz besonders in Bezug auf die Vergütungsituation und die Nutzungsrechte. So entscheidet z.B. die Community und nicht der Kunde oder jovoto über die Vergabe der Wettbewerbspreisgelder. Darüber hinaus behält jeder Wettbewerbsteilnehmer die Rechte an seinen Arbeiten bis er diese verkauft. Um ein hohes Niveau an "Kreativität" und Know-how zu bewahren, funktioniert jovoto zur Zeit nach dem „Invitation only“-Prinzip, d.h. man muss entweder von einem Mitglied eingeladen werden bzw. sich bei uns bewerben.

medienhandbuch.de:
Was ist ihr Geschäftsmodell? Wer zahlt die Zeche?

Bastian Unterberg:
 „Zeche zahlen“ klingt etwas negativ – hier geht es vielmehr um einen Prozess von dem am Ende alle Beteiligten etwas haben. Der Auftraggeber hat Zugriff auf eine weltweite Community von professionellen Kreativen, kann unter Hunderten von Ideen (im Schnitt mehr als 200 Ideen pro Contest) auswählen. jovoto-Mitglieder können freier arbeiten und die Vergütung ist nicht alleine von der Kundenmeinung sondern ebenfalls vom Feedback der Community abhängig. Der Auftraggeber, der letztlich natürlich auch die Mittel für den Wettbewerb bereitstellt, erhält am Ende nicht nur, die vor allem unabhängige Inspiration sondern auch ein Stück Sicherheit durch die Bewertung und Reflektion der Community. Hier greift das Prinzip der kollektiven Intelligenz und liefert den Relevanzcheck inklusive.

medienhandbuch.de:
Welche namhaften Unternehmen haben Sie schon als Kunden. Welche Ergebnisse hatten die bisherigen Kreativwettbewerbe?

Bastian Unterberg:
Die Bahn, eine Landesbank, easyJet & Publicis Berlin, Kulturprojekte Berlin, Greenpeace, die Hamburg-Mannheimer-Versicherung, SPD und A&B Face2Net nicht zuletzt der spanische Surfausrüster Hydroponic.

medienhandbuch.de:
Was haben denn die bisherigen Gewinner für Honorare von den Unternehmen für ihre Ideen bekommen?

Bastian Unterberg:
Als Mitglied der jovoto-Community kann auf zwei Arten Geld verdienen. 1. Durch das Preisgeld und 2. durch den Verkauf der Nutzungsrechte an den Auftraggeber. Das Preisgeld beträgt beispielsweise beim Steinmeier-Contest insgesamt 5000 €, der erste Preis 1500 €, der zweite 750 €, der dritte 500 €. Die Ideen bis Platz 12 bekommen immerhin 250 €. Die Gewinner werden durch die Community selbst bestimmt; jede Idee kann man als Mitglied bewerten und auch kommentieren. Die Nutzungsrechte an einer Idee verbleiben beim Kreativen und werden dann nach dem Wettbewerb mit dem Kunden ausgehandelt. In diesem Fall sind dafür weitere 3000 € im Briefing ausgeschrieben worden, falls sich die SPD für eine Idee entscheidet. Das muss dann aber nicht unbedingt der Community-Favorit sein. Mit anderen Worten: Es gibt zwei „Gewinner“: 1. Den Community-Favoriten und dann diejenigen, dessen Idee vom Auftraggeber gekauft wird. Das kann ein und dieselbe Person sein – muss aber nicht. Es bleibt zu betonen, dass es bei jovoto ausschließlich um die Ideen geht und nicht um fertig ausgearbeitete Kampagnenmotive oder Artworks, dies wird häufig verwechselt. So ist es z.B. auch schon vorgekommen, dass ein Unternehmen Ideen gekauft und diese anschließend mit dem entsprechenden Ideengeber bis zur Produktion verfeinert hat.

medienhandbuch.de:
Was haben Agenturen eigentlich für einen Grund, jovoto zu nutzen?

jovodo Homepage (Ausschnitt)Bastian Unterberg:
Der Zugriff auf ein enorm großes und internationales Kreativpotenzial bietet viele Möglichkeiten für das Agenturgeschäft. So zum Beispiel in Pitchsituationen, dort ganz besonders im Neukundengeschäft. Über unsere Plattformtechnologie haben wir aber auch die Möglichkeit vollständige Kampagnen ins Social Web auszurollen, doch dies ist ganz anderes Thema.

medienhandbuch.de:
Was sind die mittel- und langfristigen Ziele von jovoto?

Bastian Unterberg:
Wir werden zum größten Kreativ-Department der Welt in dem sich Arbeitsprozesse frei & unabhängig und vor allem mit viel Spaß gestalten.

medienhandbuch.de:
Wie häufig werden die jovoto-Seiten aufgerufen und wie setzt sich die Nutzerschaft zusammen?

Bastian Unterberg:
Es geht meines Erachtens nicht primär um Häufigkeit der Aufrufe, sondern um Relevanz und Interaktion. Dies lässt sich z.B. über die Dauer der Besuchszeit interpretieren. Im Durchschnitt verweilen die über 2000 aktiven jovoto-Mitglieder über 12 Minuten pro Besuch. Zur Herkunft lässt sich feststellen, dass die meisten der Mitglieder aus dem deutschen Sprachraum kommen, gefolgt vom englischen und spanischen.

medienhandbuch.de:
Wie wird der typische Pitch im Jahr 2020 ihrer Meinung nach aussehen?

Bastian Unterberg:
Relevanz wird eine immer zentralere Bedeutung bekommen, dass die Zielgruppen der eigentlichen Botschaften in den Pitch integriert werden. Doch will die Agentur in Zukunft überhaupt noch zum Pitch geladen werden, so muss sie sich schon heute vernetzen.

Das Interview mit Bastian Unterberg führte Oliver Hein-Behrens.

Links zum Thema

http://www.jovoto.de/

Kontakt / Quelle

medienhandbuch.de
Oliver Hein-Behrens
chefredaktion@medienhandbuch.de

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